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	<title>Circular Society Archive &#8211; Thinking Circular</title>
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	<description>Das Multiversum der Kreislaufwirtschaft.</description>
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		<title>Paradigmen im Wandel</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/paradigmen-im-wandel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Sep 2021 14:10:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aktuell erleben wir große Veränderungen: Der Klimawandel, die Digitalisierung, Erfahrung mit einer Pandemie und Wetterereignisse, die ganze Landschaften zerstören, wie zuletzt im Ahrtal lassen uns an Leib und Seele spüren, was Veränderung bedeutet. Donella Meadows hat beschrieben, wie sich in Zeiten von Veränderung auch grundsätzliche Vorstellungen der Menschen darüber, wer wir in dieser Welt sind, stark verändern. Sie beschreibt mit „Transcending paradigms“ die Veränderungen von gesellschaftlich verankerten Haltungen, die auch die größten Hebel im Wandel von Systemen sind. Maja Göppel hat darüber geschrieben und mit „Great Mindshift“ eine...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aktuell erleben wir große Veränderungen: Der Klimawandel, die Digitalisierung, Erfahrung mit einer Pandemie und Wetterereignisse, die ganze Landschaften zerstören, wie zuletzt im Ahrtal lassen uns an Leib und Seele spüren, was Veränderung bedeutet. Donella Meadows hat beschrieben, wie sich in Zeiten von Veränderung auch grundsätzliche Vorstellungen der Menschen darüber, wer wir in dieser Welt sind, stark verändern. Sie beschreibt mit „Transcending paradigms“ die Veränderungen von gesellschaftlich verankerten Haltungen, die auch die größten Hebel im Wandel von Systemen sind. Maja Göppel hat darüber geschrieben und mit <a href="http://greatmindshift.org" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">„Great Mindshift“</a> eine Zusammenfassung dringender Veränderungen und notwendiger Grundhaltungen beschrieben.</p>
<p>Damit ist klar: Die geänderten Haltungen verändern die Grunderzählungen unseres Daseins. Sie definieren die Verhältnisse Mensch zu Mensch, Mensch zur Natur, Mensch zur Technik, von Kultur und Identität. Wir schauen uns diese Paradigmen daher näher an:</p>
<p><strong>Kultur als Gewohnheit</strong></p>
<p>Kultur galt lange als Ausdruck von Zivilisation und damit Ausdruck einer Antithese zur Barbarei, zum Wilden, zum ungeordneten Leben von Menschen in anderen Regionen der Erde. Kultur wurde dabei an Traditionen zu verhaltenstypischen Dingen wie Ernährung, Arbeit, Bildung von familiären Strukturen, Bildung und anderer sozialer Komponenten eingeordnet. Der Kulturwissenschaftler Prof. Terry Egleton macht deutlich, was die bisherige Definition zum „Guten der Kultur“ als Leitbild formulierte und stellt sie genau deshalb fundamental in Frage. Wenn Kultur nur eine Gewohnheit sei, sei aber das Paradigma Kultur selbst in Frage gestellt.</p>
<p>Was wir als neues Paradigma sehen, ist dass die Debatte über das, was Kultur ist, nun wissenschaftlich als Gewohnheits-Beobachtung neu aufgerollt wird. Behavioral Economics spielen deshalb für die Circular Economy eine wichtige Rolle.</p>
<p><strong>Identität als Narrativ des Ich</strong></p>
<p>In der vorangegangenen Epoche der Vormoderne war Identität eine Funktion von festgelegten Rollen und eines traditionalen Systems von Mythen, die Orientierung und religiöse Sanktionen boten (Kellner, 1992). Zudem war Identität unproblematisch und nicht Gegenstand von Reflexion oder Diskussion. Individuen durchlebten keine Identitätskrisen, noch änderten sie radikal ihre Identität. Der Terminus &#8222;Identität&#8220; wurde erst dann und in dem Maße bekannt, wie die Bildung von Identität massenhaft zu einem Problem wurde. Dies passiert vor allem vor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung der Religionen. Zygmunt Bauman stellt 1997 fest: &#8222;Identität kann nur als ein Problem existieren, sie war von Geburt an ein Problem, wurde als Problem geboren &#8230;&#8220;</p>
<p>Die narrative <em>Psychologie nach Mancuso und Hevern </em>geht davon aus, dass wir unser ganzes Leben und unsere Beziehung zur Welt als Narrationen gestalten. Wir träumen narrativ, tag-träumen narrativ, erinnern, antizipieren, hoffen, verzweifeln, glauben, zweifeln, planen, revidieren, kritisieren, konstruieren, klatschen, hassen und lieben in narrativer Form.</p>
<p>Insofern handelt es sich bei der Narration nicht um einen Lebenslauf, den man &#8211; nicht allzu häufig &#8211; schreibt und fortschreibt, sondern um einen grundlegenden Modus der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit. Narrationen sind dabei in soziales Handeln eingebettet und werden über Social Media kommuniziert. Unsere Identität entsteht als Narrativ des Ich.</p>
<p><strong>Natur als Partner</strong></p>
<p>Das Verständnis, die Welt mit Technik beherrschen zu können, herrscht seit der Einführung „göttlicher Mathematik“ im Mittelalter vor. Über dem Menschen stehe nur Gott, diejenigen, welche ihm am besten dienen, stehen in der Hierarchie über den Schäflein, die es zu hüten gibt. Danach ist Natur eine Ressource, die genutzt werden darf. Aber sie hat keine eigene Rolle oder Vertretung im Dasein. Heute sprechen WissenschaftlerInnen auch von Naturvergessenheit. Wir Menschen nehmen uns nicht als Element natürlicher Systeme wahr, weil unsere Prägung über Jahrtausende vom Bild des Homo Deus geprägt war, der die Welt und die Zukunft nach dem Beispiel Gottes gestaltet.</p>
<p>Dieses Verständnis wird aktuell abgelöst, durch die Erkenntnis der Beschränktheit eigener Erkenntnisfähigkeit (Wissenschaftskritik) und globaler systemischer Veränderungen, wie dem Klimawandel.</p>
<p>Ein Beispiel ist das Werk <a href="https://critical-zones.zkm.de/#!/detail:lynn-margulis-archive-arbeitstitel" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">„Life is a connected phenomenon – thinking alongside Lynn Margulis”</a>, veröffentlicht in den Critical Zones des ZKM, Karlsruhe oder durch Darstellung der Symbiogenese des Menschen in der Natur nach Lynn Margulis.</p>
<p>Die Systemtheorie stellt den Menschen als ein Element unter vielen lebenden Elementen auf dem Planeten Erde und im Universum da und setzt Menschen in Verbindung zu allen anderen systemischen Funktionen und Elementen. Dies Verständnis findet sich jetzt in vielen Theorien wieder:</p>
<p>So im Designprinzip der Circular Economy Cradle to Cradle, in der Theorie der Permakultur, in Theorien zu Symbiogenetischen Entwicklungen, beim Regenerativen Design, der Theorie der Regenerativen Stadt oder Transition Towns. Sie alle verfolgen den Anspruch, Kreisläufe aus für Mensch und Umwelt unbedenklichen Stoffen aufzubauen und lokale Ökosysteme zu regenerieren.</p>
<p><strong>Mensch als Mitwesen</strong></p>
<p>Der Film <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WqT5g9y4dmE" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">„Earthlings“</a> hat als Kassenschlager gezeigt, wie der Mensch mit anderen Spezies auf der Welt umgeht. Es wird schonungslos gezeigt, wie wir industriell Fleisch produzieren und hat die Bewegung des Veganismus und Vegetarier stark beeinflusst. Der Begriff Speziezismus wird analog zu Sexismus oder Rassismus verwendet. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=vSMzIIq2fq0" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Jane Goodell</a> hat mit Ihrer wissenschaftlichen Karriere über die Erforschung von Primaten und persönlicher Empathie gezeigt, wie ein neues Verhältnis zwischen Menschen und Mitbewohnern des Planeten Erde aussehen könnte. Der Mensch als Mitwesen auf diesem Planeten bildet diese Erzählung ab. Insbesondere ihr Nachweis, dass der Mensch nicht das einzige Wesen ist, welches Werkzeuge gebraucht, reflektieren kann und Gefühle hat. Sie hat dies bei Primaten nachgewiesen und sie revolutionierte damit das Paradigma des Menschen ein „besserer Earthling“.</p>
<p><strong>Innovation for purpose</strong></p>
<p>Innovation fand bisher in ausgewählten Kreisen von Innovatoren, Geldgebern statt. Mäzenatentum wendete sich ausschließlich Fürsorgefragen zu. Heute geht der Trend zu Selbsthilfe, der Selbstwirksamkeit und dem Stärken von Stärken, also dem „Empowerment“. Die Suche nach besseren Systemen in allen gesellschaftlichen Schichten hat begonnen. Das GUTE LEBEN wird beschrieben und beschworen und die Sicherung der Lebensgrundlagen steht über allem. Die Methoden des Design Thinking und Systemic Thinking gelten hier als Treiber von Innovation, die globale Probleme löst, anstelle weiterer Probleme zu kreieren. Der Rolle der Gesellschaft (Civil Society) kommt hier eine besondere Bedeutung zu, diesen Prozess von innen voranzutreiben. Die Circular Society Community adaptiert bereits die Elemente aus den vorgenannten Paradigmen und integriert sie in ihr Konzept.</p>
<p><strong>Gesellschaft ist Kommunikation – No cloud/cloud only</strong></p>
<p>Digital Natives betrachten Ihr Mobiltelefon als emotional technisches Bindeglied zu anderen Mitgliedern der Gesellschaft, mit denen sie ständig distanzlos kommunizieren können. Systemdenker Luhmann beschreibt Kommunikation als Verbindung, die Gesellschaft herstellt. Hier liegt die systemtheoretische Betrachtung zu Grunde, dass die einzelnen Elemente der Gesellschaft (Individuen, Organisationen, Verwaltung etc.) miteinander kommunizieren müssen. Dabei sind Regeln, Gesetze und Normen auch Bestandteil von Kommunikation, welche die Verbindung herstellten. Bei Kommunikation geht es nicht nur um Sprache und Verständnis, sondern um den Kontext der Regel, mit der die Kommunikation verstanden und beantwortet wird, z. B. auch durch Verhalten und Nicht-Verhalten. Luhman sagt: Nicht die einzelnen Individuen mit Ihren Charakteristika, sondern ausschließlich die Form der Kommunikation der Gesellschaft „Sind“ Gesellschaft. Dieses neue Verständnis des eigenen Seins als Kommunikator in Systemen (Blasen, Bubbles, Clouds) verändert bereits heute Verhalten. Insbesondere da auch mit den negativen Effekten fehlgelaufener Kommunikation umgegangen werden muss (Stalking, Datenmissbrauch, Gesichtsverlust etc.). Denn heute stehen nicht nur „Promis“ in der öffentlichen Kommunikation, sondern alle, die sich im Internet und auf Social Media bewegen.</p>
<p>Wie spricht ein Baum? Dies ist eine naturwissenschaftliche Frage und sie wird z. B. durch Erkenntnisse aus der Biochemie beantwortet. Sprache drückt sich hier in Prozessen nach Regeln der Natur aus, die durch Mathematik, Physik, Chemie uva. beschrieben werden können. Die Regel mit der ein alter Baum z. B. einen jungen Baum mit Traubenzucker über das Wurzelwerk versorgt, wird so als Kommunikation bezeichnet. Woher weiß der Baum, dass er seine Wurzeln für diesen Zweck mit dem jungen Baum verbinden muss? Das ist noch nicht geklärt. Die Sprache der Bäume und der Natur braucht noch viele Dolmetscher.</p>
<p>Das verändernde Paradigma, dass Gesellschaft sich an Regelwerken definiert wird also abgelöst durch ein Systemverständnis, in welchem die Elemente des Systems zur Selbstordnung fähig sind, weil sie darüber kommunizieren.</p>
<p><strong>Gesellschaftsvertrag neu schreiben – best collaborators will win</strong></p>
<p>Darwins These, dass der Stärkere der Gewinner im Überleben sei, ist überholt. Die Biologie, Ökologie, Verhaltenswissenschaften und Psychologie haben bewiesen, dass die „Stärke“ eines Siegers in Systemen aus sämtlichen Systemfunktionen erwächst. Die Erkenntnis der Systemdenker zeigt: „Best collaborators will win“. Insbesondere im Bereich der Entwicklungswissenschaften und der Entwicklungsökonomie setzt sich diese Erkenntnis durch. Die Suche nach Methoden der besten Kollaboration (Netzwerke, Prozessorientierung, etc.) hat begonnen.</p>
<p><strong>Performance Economy und Economy of Commons</strong></p>
<p>Das Wachstumsparadigma ist überholt, makroökonomische Gleichgewichtsmodelle haben ausgedient, Ressourcenendlichkeit und die Bedeutung öffentlicher Güter (Klima, Umwelt) und sozialen Ausgleichs zum Erhalt von Frieden und Sicherheit haben an Bedeutung gewonnen. Die neue Ökonomie im Ausgleich der Ökologie hat neue Namen.</p>
<p>Das Projekt CRESTING fasst alle Theorien der sich neu entwickelnden Circular Economy zusammen. Wir haben es in einem anderen Blog behandelt, <a href="https://www.eveline-lemke.de/2021/04/wie-ein-wal-ohne-orientierung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Sie finden ihn hier.</a></p>
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		<title>Zirkulärer Konsum – was Prosument und Steward unterscheidet</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/zirkulaerer-konsum-was-prosument-und-steward-unterscheidet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 May 2021 14:28:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Consumption]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der menschliche Akteur in der Circular Economy ist ein ziemlich interessantes Thema. Bisweilen wird davon ausgegangen, dass VerbraucherInnen die Circular Economy hauptsächlich durch ihre Nachfrage nach zirkulären Produkten unterstützen. Systemdenker sagen, VerbraucherInnen werden in dieser Rolle überschätzt. Und noch dazu suggeriert diese Denkhaltung, dass wir unser bisheriges System aufrechterhalten können. VerbraucherInnen müssen lediglich anders einkaufen. Aber das geht nicht weit genug. Warum nicht, dass möchten wir in diesem Blogbeitrag aufklären. In der Circular Economy wird das Pferd bisweilen von hinten aufgezäumt. Die Denkschule der Circular Economy hat sich...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der menschliche Akteur in der Circular Economy ist ein ziemlich interessantes Thema. Bisweilen wird davon ausgegangen, dass VerbraucherInnen die Circular Economy hauptsächlich durch ihre Nachfrage nach zirkulären Produkten unterstützen. Systemdenker sagen, VerbraucherInnen werden in dieser Rolle überschätzt. Und noch dazu suggeriert diese Denkhaltung, dass wir unser bisheriges System aufrechterhalten können. VerbraucherInnen müssen lediglich anders einkaufen. Aber das geht nicht weit genug. Warum nicht, dass möchten wir in diesem Blogbeitrag aufklären.</em></p>
<p>In der Circular Economy wird das Pferd bisweilen von hinten aufgezäumt. Die Denkschule der Circular Economy hat sich in den letzten Jahren hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, wie die Wirtschaft umgestellt werden müsste, damit wir innerhalb der planetarischen Grenzen bleiben. Aber unsere Wirtschaft besteht aus Menschen, die aus bestimmten Grundsätzen heraus handeln. Und um planetarische Grenzen ganzheitlich zu denken, müssen nicht nur die Wirtschaftssysteme, sondern auch die Menschen und ihre Denk- und Verhaltensmuster mitgedacht werden.</p>
<h3>Das Menschenbild einer Circular Society</h3>
<p>Seit 2020 beschäftigt sich der Circular Economy Diskurs immer stärker auch mit einer Circular Society und den Menschen, die Teil der Transformation sind. Dabei tauchen immer mehr Fragen zum Individuum auf. Auf der einen Seite haben wir Produzenten, auf der anderen Seite haben wir Konsumenten. Welche Denkhaltung nehmen Konsumenten in einer Circular Economy ein? Wie sieht das Menschenbild eines <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/" target="_blank" rel="noopener">Homo Circularis</a> aus, der sich individuell, in der Gesellschaft und einer zirkulären Wirtschaft ausdrückt? Sprechen wir noch von Konsumenten? Oder von Prosumenten? Und stehen diese zukünftig noch auf zwei unterschiedlichen Seiten? Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob VerbraucherInnen so mächtig sind, wie es bisweilen eingeschätzt wird. Welchen Werten folgen sie? Wie funktioniert der zirkuläre Konsum?</p>
<p>Der Begriff des Prosumenten ist über den Konsumenten hinausgedacht. Als ProsumentInnen bezeichnen wir heute Menschen, die sich am Design und dem Herstellen von Produkten beteiligen. Die Erzeugung und der Verkauf von Solarstrom mit der eigenen PV-Anlage kann hier als Beispiel genannt werden. Aber ProsumentIn kann man in vielen Bereichen sein. Demzufolge gelten auch Besucher eines Wikis, die gelegentlich mitarbeiten, und Blogger, die Beiträge anderer Blogger lesen und kommentieren, als ProsumentInnen. ProsumentIn sein kann bereits mit dem Anbau von eigenem Gemüse anfangen. Und beim Upcyceln von Produkten weitergehen, wenn ein Prosument aus einer alten Dose ein gänzlich neues Produkt herstellt.</p>
<p>Aber ist das Konzept des Prosumenten ausreichend weit gedacht? Müssen wir in der Zukunft nicht sogar besser von Stewards sprechen? Das wären dann die Menschen, die ihre Rolle nicht nur im Co-Designen und Co-Herstellen von Produkten sehen, sondern in der Begleitung und Bewahrung von Materialien. Damit wäre der Prosument eine Vorstufe des Stewards. Die Definition und Unterscheidung der beiden Begriffe ist wichtig, denn Sprache beeinflusst maßgeblich unsere Denk- und Verhaltensmuster.</p>
<p>Wir müssen akzeptieren, dass wir die Erde von unseren Kindern nur geborgt haben. Diese geborgten Materialien brauchen einen Begleiter, einen Steward – an jeder Stelle der Wertschöpfungskette. Auch im Verbrauch. Und das geht über die Frage hinaus, welche Produkte und Dienstleistungen VerbraucherInnen zukünftig kaufen.</p>
<h3>Verbraucherbilder sind nicht unumstritten</h3>
<p>Für Marktforscher ist es ohnehin interessant, die VerbraucherInnen besser zu kennen. Wie sehen VerbraucherInnen-Typen aus, die dann gezielt beworben oder mit Marketing angesprochen werden können? Kersty Hobson spricht dabei über die Entstehung von „paradoxen Figuren“ bei der Beschreibung von Verbraucherbildern oder sogenannten Personas. Wir finden ihre Kritik interessant und haben sie beleuchtet.</p>
<p>Dr. Kersty Hobson – Lehrerin für Humangeographie an der Cardiff University in Wales, Großbritannien &#8211; ist Expertin für nachhaltige Konsummuster. Sie forscht seit langem zum Thema des nachhaltigen Konsums. Ihre Forschungsarbeiten reichen zurück bis 2002 zu ihrer Veröffentlichung „Competing Discourses of Sustainable Consumption: Does the Rationalisation of Lifestyles Make Sense?“ Seit 2016 veröffentlicht sie immer mehr Artikel über nachhaltigen Konsum im Rahmen der Circular Economy. Ihr letztes, 2021 veröffentlichtes, Papier befasste sich mit „The limits of the loops: critical environmental politics and the Circular Economy“.</p>
<p>Kersty Hobson übt Kritik am <a href="https://clubofrome.de/news/system-change-compass/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Kompass für den Systemwandel</a> von SystemIQ und dem Club of Rome, die immer noch von der Macht starker VerbraucherInnen ausgehen. Der Kompass, der von SystemIQ und dem Club of Rome entworfen wurde, beschreibt eine Transformation, die erforderlich ist, um die Treiber unseres sozioökonomischen Systems zu verändern.</p>
<p>Der Kompass definiert Verbrauch als Verschiebung von Besitz zur Benutzung von Produkten. Er sieht damit die Zukunft in „Product-as-a-service“-Modellen. In dem Kompass wird argumentiert, dass ein solches „Zurücksetzen grundlegender Voraussetzungen“ politisch festgesetzt werden kann. Aber gilt das auch für den Konsum? Hobson ist kritisch. Wie sollte das aussehen?</p>
<h3>Die Verantwortung der VerbraucherInnen</h3>
<p>SystemIQ und der Club of Rome schlagen vor:</p>
<ul>
<li>VerbraucherInnen über bessere Konsumentscheidungen aufzuklären und zu befähigen, z. B. durch Produktpässe,</li>
<li>VerbraucherInnen alternative Optionen zu bieten, die sie &#8211; am Beispiel einer weniger an Besitz orientierten jüngeren Generation &#8211; kennenlernen können, und</li>
<li>Produzenten-Verantwortung zu ermöglichen.</li>
</ul>
<p>Hobson ist das zu wenig. Als Wissenschaftlerin weiß sie, die Forschung bestätigt, dass „Aufklärung von VerbraucherInnen“ nicht unbedingt Veränderungen im Verhalten nach sich ziehen. Untersuchungen zeigen auch, dass es naiv ist anzunehmen, dass die jüngere Generation weniger eigentumsorientiert ist. Oft ist das auch von den Umständen und dem Einkommen in der Generation abhängig. Wenn junge Menschen Arbeit bekommen und eine Familie haben, ändert sich dies erheblich. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass jüngere Generationen eine bestimmte Denkweise haben, die einen zirkulären Konsum ermöglicht.</p>
<h3>Neue Konzepte für eine Transformation</h3>
<p>Wenn wir dem Weg von SystemIQ und dem Club of Rome folgen, ist es wahrscheinlich, dass unser aktuelles Wirtschaftssystem im Status Quo verbleibt und nicht transformiert wird. Hobson schlägt vor, dass das Konzept für eine Transformation über das Geschäftsmodell „Mieten und Ausleihen“ und über das Denkmodell „Benutzen statt Besitzen“ hinausgehen muss. Es gäbe beispielsweise keine Grundlage dafür anzunehmen, dass Car-Sharing ein Gefühl der Verbindlichkeit erzeugt, dass das geteilte Auto ein gemeinschaftliches Gut ist. Ganz nach dem Grundsatz: Wenn alle verantwortlich sind, ist keiner verantwortlich.</p>
<p>Was bedeutet es, zu einer individuellen, gemeinsamen und kollektiven Identität überzugehen? Was würde eine Umgestaltung unserer kollektiv sozial-materiellen Beziehungen erfordern?</p>
<h3>Circular Economy verändert den Verbrauch</h3>
<p>Hobson bemängelt darüber hinaus, dass eine wichtige Perspektive in der Betrachtung fehle, die zur Abschwächung von Rebound-Effekten grundlegend ist. Sie kritisiert damit die konzeptionelle Basis des SystemIQ-Ansatzes und sagt, dass VerbraucherInnen ihr Verhalten nicht ändern, nur weil ein Produkt anders gekennzeichnet sei. Im Gegenteil, der Dschungel an Kennzeichen mache die Konsuminformation noch schwieriger. Und dann steigen VerbraucherInnen aus. VerbraucherInnen würden aber weiterhin kaufen, wenn Produkte und Dienstleistungen besser seien.</p>
<p>Und das ist in der Tat so. Es wird davon ausgegangen, dass VerbraucherInnen, wie auch immer wir Produkte herstellen (besser, schneller, stärker), diese annehmen werden, weil sie BESSER sind. Nicht, weil sie sie brauchen. Als Beispiel nennen wir hier elektronische Geräte. Sie können effizienter gebaut werden, um Energie zu sparen. Aber die Ansammlung elektronischer Geräte auf den Dachböden und Kellern der VerbraucherInnen beweist den Rebound-Effekt. Hier liegen Berge von Ressourcen auf Halde. Ein weiteres Beispiel könnte die Elektromobilität sein. Wenn VerbraucherInnen sich besser fühlen, weil sie elektrisch und somit umweltfreundlicher fahren, was hindert sie daran, mehr zu fahren? Worin liegt die Motivation, trotz gutem Gewissen, künftig weniger zu fahren?</p>
<p>Bessere oder effizientere Produkte herzustellen kann nicht die Lösung dafür sein, in einer Circular Economy einen zirkulären Verbrauch zu schaffen. Es würde eher bedeuten, dass wir die Circular Economy innerhalb der aktuellen wirtschaftlichen Normen und Systeme halten und sie einfach „am Laufen halten“.</p>
<h3>Homo Oeconomicus und Homo Circularis</h3>
<p>Natürlich wird es unterschiedliche VerbraucherInnen geben. Es gibt z.B. den „Homo Oeconomicus“-Typ von VerbraucherIn, der immer das Produkt kauft, das ihm am besten dient, z.B. weil es am günstigsten ist. Geiz ist immer noch geil.</p>
<p>Es wird aber auch den „Homo Circularis“-Typ von VerbraucherIn geben, der sich in seiner Rolle anders versteht. Ihm werden nicht nur Produkte und Dienstleistungen offeriert, die sein Leben bequemlicher machen, sondern auch die Möglichkeit, die Welt aktiv mitzugestalten und sich der „Konsumarbeit“ zu stellen, wie Hobson es nennt.</p>
<p>Während der &#8222;Homo Oeconomicus&#8220; die beste Option aufgreift, weil sie IHM dient, gibt es den &#8222;Homo Circularis&#8220;, der fähig und willens ist, die &#8222;Konsumarbeit&#8220; in Formen neuer materieller Beziehungen, z. B. Carsharing, zu übernehmen, sowie sich an verschiedenen Formen des lokalen Ehrenamts, z. B. Repair Cafés, zu beteiligen. Hopson argumentiert, die Theorien der &#8222;Konsumarbeit&#8220; zeigen, wie sehr das Wirtschaftssystem auf solche unbezahlte Arbeit angewiesen ist. Die Ellen MacArthur Stiftung sowie andere wichtige Akteure der Circular Economy sehen &#8222;Konsumarbeit&#8220; als Gewinn für uns alle an. Aber es muss Obergrenzen dafür geben, wie viel Arbeit wir alle einbringen können. Das zeigen viele Studien. Einkaufen muss schnell gehen…</p>
<h3>Konsumarbeit</h3>
<p>Der European Green Deal (2019) kombiniert die Herstellung besserer Produkte und die „Konsumarbeit“ als Ziele für den <a href="https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2019-002750-ASW_EN.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Circular Economy Aktionsplan</a>: <em>„Der Circular Economy Aktionsplan wird auch Maßnahmen enthalten, um Unternehmen zu ermutigen, wiederverwendbare Produkte anzubieten, langlebige und reparierbare Produkte und den Verbrauchern die Wahl zu ermöglichen. Er wird die Notwendigkeit eines „Rechts auf Reparatur“ analysieren und die eingebaute Obsoleszenz von Geräten, insbesondere für die Elektronik, eindämmen. Die Verbraucherpolitik wird dazu beitragen, die Verbraucher zu befähigen, fundierte Entscheidungen zu treffen und eine aktive Rolle beim ökologischen Übergang zu spielen. Neue Geschäftsmodelle, die auf dem Mieten und Teilen von Waren und Dienstleistungen beruhen, werden eine Rolle spielen, solange sie wirklich nachhaltig und erschwinglich sind.” </em> (übersetzt aus dem Englischen)</p>
<h3>Konsumentensouveranität</h3>
<p>Das ist natürlich gut, aber Hobson warnt zu Recht vor der „heiligen Kuh“ der Konsumentensouveranität. VerbraucherInnen können nicht einzig und allein durch ihre Konsumentscheidungen Art und Umfang der Produktion steuern. Und ohne ein Recht auf Reparatur würde niemand die erforderliche Konsumarbeit angehen, bemängelt Hobson. Starke VerbraucherInnen brauchen starke Rechte. Gleichzeitig warnt Hobson, dass die größten Auswirkungen von Konsum in Bereichen wie Reisen, Wohnen oder Essen liegen. Hier stellt sich erneut die Frage nach der Denk- und Lebenshaltung von Menschen in einer Circular Economy, die über das Kaufen von Produkten hinausgeht.</p>
<p>Wir denken, Hobson hat Recht: Das Motto „effizientere Märkte und Geschäftsmodelle“ wird zu immer neuen Rebound-Effekten führen. Darum müssen wir aufhören, über den „Zirkulären Verbraucher“ zu reden und die Wirkung anderer Konzepte erforschen.</p>
<h3>Das Menschenbild des Stewards</h3>
<p>Wir sind vom Konzept des Stewards angetan! Der Steward kauft Produkte, die für Recycling designt sind. Darüber hinaus repariert er seine Produkte so lange und so oft wie möglich. Anstatt etwas wegzuschmeißen, gibt er das Produkt am Ende seiner Nutzungsdauer zurück in den Wertstoffkreislauf: an den Produzenten, an den nächsten Nutzer oder an den Recycler. In dieser Rolle als Begleiter überführt er Materialien damit in die nächste Lebenszyklusphase. Ähnlich wie ein Flugbegleiter, also ein Steward oder eine Stewardess, begleitet er somit das Material von A nach B. Folglich beschützt und bewahrt er damit den Wert der Ressource. Das beinhaltet auch eine andere Denkhaltung. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und respektiert die planetarischen Grenzen. Damit erfüllt der Steward seine Aufgabe, und überführt das Material qualitativ so hochwertig wie möglich in die nächste Nutzungsphase.</p>
<p>Damit klärt sich auch die Frage nach der Verantwortung im Car-Sharing. Als Materialverwalter könnte der <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/" target="_blank" rel="noopener">Homo Circularis</a>, der das Menschenbild eines Stewards beschreibt, hier ein guter Ausgangspunkt sein, um dieses Konzept umzusetzen.</p>
<p>Von Eveline Lemke und Charléne Nessel</p>
<p><a href="https://pod.co/gruene-wirtschaft-fuer-morgen-circular-economy/zirkulrer-konsum" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Unseren Podcast zu zirkulärem Konsum finden Sie hier.</a></p>
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		<item>
		<title>Wie ein Wal ohne Orientierung</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/wie-ein-wal-ohne-orientierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Apr 2021 08:47:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus der Naturwissenschaft lernen wir, dass Blauwale durch Schiffslärm, sterbende Riffs, steigende Temperaturen, durch den Klimawandel oder weil sie Plastikmüll verschlucken, desorientiert werden. Genau wie die Wale ist auch unsere materielle Welt desorientiert. Nutzen wir die Metapher: Noch entziehen wir diesem Planeten jedes Jahr 100 Milliarden Tonnen Material. Das entspräche mehr als 666 Millionen Blauwalen. Immer noch eine zu große Zahl, um sie sich vorstellen zu können. Nur 9 % des gesamten Materials bewegt sich in Zyklen. Stellen Sie sich also vor, die ca. 10.000 Blauwale, die es...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus der Naturwissenschaft lernen wir, dass Blauwale durch Schiffslärm, sterbende Riffs, steigende Temperaturen, durch den Klimawandel oder weil sie Plastikmüll verschlucken, desorientiert werden. Genau wie die Wale ist auch unsere materielle Welt desorientiert. Nutzen wir die Metapher:</p>
<p>Noch entziehen wir diesem Planeten jedes Jahr 100 Milliarden Tonnen Material. Das entspräche mehr als 666 Millionen Blauwalen. Immer noch eine zu große Zahl, um sie sich vorstellen zu können.</p>
<p>Nur 9 % des gesamten Materials bewegt sich in Zyklen. Stellen Sie sich also vor, die ca. 10.000 Blauwale, die es noch gibt, schwimmen orientierungslos im Ozean und nur 900 von ihnen haben eine klare Route. Das ist ein ziemliches Chaos.</p>
<p>Aus diesem Grund fordern immer mehr Menschen einen &#8222;Zwischenstaatlichen Ausschuss für Ressourcen&#8220;, um mehr darüber zu erfahren, wohin die Materialien gehen. Auch hier wiederholt sich das Wachstum des Interesses. Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl der Forschungsarbeiten zu Themen der Circular Economy von 300 auf 3.000 gestiegen. Und auch Kreislaufkonzepte sind im Kommen.</p>
<p>Im Jahr 2020 wurde durch das CRESTING-Projekt eine interaktive Zeitleiste der Circularity-Denkschule eingeführt. CRESTING ist ein von der EU gefördertes Forschungs- und Innovationsprojekt. Es zeigt, dass die Publikationen kaskadenartig nach oben gehen, recht deutlich:</p>
<div id="attachment_3851" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3851" class="wp-image-3851 size-large" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-1024x470.jpg" alt="" width="1024" height="470" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-1024x470.jpg 1024w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-300x138.jpg 300w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-768x352.jpg 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-1536x705.jpg 1536w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-2048x939.jpg 2048w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-700x321.jpg 700w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-3851" class="wp-caption-text">Source: Cresting Circular Economy</p></div>
<h3>Das Forschungsprojekt- und Innovationsprojekt CRESTING</h3>
<p>Als erstes und einziges Forschungsprojekt, dem es gelungen ist, die Entwicklung der 70 aktuellen Zirkularitätskonzepte in einem Schaubild darzustellen, bietet es einen spektakulären Überblick. Und nicht nur, dass das Forschungsteam die Herausforderung angenommen hat, einen roten Faden für all die verschiedenen Konzepte zu schaffen, es hat auch die verschiedenen Entwicklungsperioden von der Präambel bis zur Gültigkeitsherausforderung herausgearbeitet. Da es sich um eine interaktive Zeitleiste handelt, kann man hinein- und herauszoomen und durch Anklicken der einzelnen Konzepte mehr Informationen über diese erhalten.</p>
<p>Hier eine herzliche Empfehlung von uns für alle, die sich für die <a href="http://cresting.hull.ac.uk/impact/circularity-timeline/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Geschichte der Circular Economy</a> interessieren.</p>
<p>Wenn man sich die Zeitleiste genauer ansieht, scheint es, dass viele Konzepte von asiatischen Ideen beeinflusst sind, was nur unterstreicht, dass die Circular Economy ein Thema von globalem Interesse und Bedeutung ist.</p>
<p>Wenn man durch die verschiedenen Konzepte blättert, stellt sich die Frage, wie vollständig das Bild ist? Wir haben eine Menge ökonomischer Theorien und allgemeiner Philosophien über das gute, nachhaltige Leben. Auch das Thema der Circular Society fehlt nicht. Was fehlt, ist ein Gegenentwurf zum Homo Oeconomicus, dem Denkmodell für eine lineare Wirtschaft und Gesellschaft. Wenn wir nach einer Transformation von take-make-dispose forschen wollen, müssen wir dann nicht auch das Individuum berücksichtigen? Können wir das wirklich ausschließen? Das mentale Modell einer Circular Economy und Society wird zentral sein.</p>
<p>Und natürlich gibt es bereits mentale Modelle, die da draußen beschrieben werden. Unsere Beschreibung des Homo Circularis ist nur Eines. Die Theorie des Homo Oecologicus sei als Beispiel genannt. Die Theorie des Homo Sustinens ist ein weiteres. (Wollen Sie mehr wissen? <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis-das-resultat-einer-entwicklung/" target="_blank" rel="noopener">Hier finden Sie den Artikel über die Entwicklung von mentalen Modellen</a>).</p>
<p>Nichtsdestotrotz wird bei der Betrachtung der Zeitleiste deutlich, dass das Forschungsprojekt ein Geschenk für die zukünftige zirkuläre Entwicklung gewesen ist, das alle losen Enden zusammenbindet.</p>
<p>Für das CRESTING-Team endete die Forschung nicht an der Timeline. Sie haben noch einige weitere Artikel veröffentlicht, die interessante Zusammenhänge im grünen Dschungel aufdecken.</p>
<p>Eine davon ist eng mit der Zeitachse verbunden und zielt darauf ab, durch die verschiedenen Visionen einer Circular Economy zu navigieren. Sie ist lesenswert und kann hier heruntergeladen werden: Eine Typologie von Kreislaufwirtschaftsdiskursen: Navigieren durch die verschiedenen Visionen eines umstrittenen Paradigmas &#8211; ScienceDirect</p>
<h3>Die Aufzählung der fehlenden Elemente</h3>
<p>Ein anderer Beitrag beschäftigt sich mit der politischen Realität. Dabei schließt er Forschungslücken über den aktuellen Diskurs zur Circular Economy durch die Analyse von Worten und Taten. Und obwohl die EU-Politiker bereits einiges erreicht haben, zeigt die Analyse: Es gibt noch Raum für Verbesserungen. Und diese Verbesserungen sind zentral, um die Visionen der Circular Economy zu erreichen. Aus einer Postwachstums- Perspektive schlägt das Papier 32 alternative wissenschaftsbasierte Maßnahmen vor, um die EU Richtlinien zur Circular Economy zu verbessern. Es ist sehr gut strukturiert und erklärt klar die Notwendigkeiten auf diesem Gebiet. Daher wird es den kritischen Gemeinschaften und Think Tanks helfen, den Schwerpunkt auf fehlende Elemente zu legen, um die Europäische Kommission weiter in die richtige Richtung zu drängen. Fehlende Elemente, die unterstützt werden sollten, sind in einer langen Liste zusammengestellt, die hier nicht fehlen soll:</p>
<ol>
<li>Legen Sie Grenzwerte für die Raten der vollständigen Energierückgewinnung und/oder strengere Beschränkungen für die Verbrennung von recycelbaren, wiederverwendbaren oder kompostierbaren Abfällen fest.</li>
<li>Starke Einschränkung oder Verbot des Exports von Abfällen außerhalb der EU.</li>
<li>Verbot der Vernichtung von unverkauften Warenbeständen.</li>
<li>Führen Sie einen verpflichtenden Produktpass mit Informationen zu allen Materialien und Komponenten ein, um die Produkt- und Materialrückgewinnung zu erleichtern.</li>
<li>Alle erweitern die Ökodesign-Vorschriften auf schnelllebige Unterhaltungselektronik wie Handys, Tablets und Computer.</li>
<li>Förderung von Open-Source-Innovationen (z. B. durch die Vorgabe, dass alle Hardware und Software von abgekündigten Produkten Open Source wird).</li>
<li>Verbessern Sie die Ökodesign-Vorschriften, um sicherzustellen, dass Reparaturhandbücher vollständig frei und Open-Source sind.</li>
<li>Richten Sie Zuschüsse für Reparaturdienste ein, um einkommensschwachen Gruppen zu helfen.</li>
<li>EU-weite Online-Plattformen für den Handel mit Sekundärmaterialien und -produkten einrichten.</li>
<li>Reduzieren Sie die Mehrwertsteuer für wiederverwendete, wiederaufbereitete, überholte und reparierte Waren und Reparaturdienstleistungen.</li>
<li>Ressourcen (insbesondere Rohstoffe) statt Arbeit besteuern.</li>
<li>Abschaffung der Subventionen für fossile Brennstoffe.</li>
<li>Legen Sie verbindliche Ziele und Anforderungen für eine kreislauforientierte und umweltfreundliche öffentliche Beschaffung fest.</li>
</ol>
<ol start="14">
<li>Legen Sie Ziele für den Anteil von Sekundärmaterialien oder nachhaltigen erneuerbaren Materialien in neuen Produkten und Gebäuden fest.</li>
<li>Verbesserung der Ökodesign-Vorschriften durch Hinzufügen von Maßnahmen zur Produktlebensdauer, Multifunktionalität, Aufrüstbarkeit und Modularität.</li>
<li>Erhöhen Sie die vorgeschriebenen Mindestgarantiezeiten.</li>
<li>Legen Sie verbindliche Ziele zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen fest.</li>
<li>Festlegung von Zielen zur Reduzierung des Pro-Kopf-Abfallaufkommens, des Pro-Kopf- Materialbedarfs und des ökologischen Fußabdrucks pro Kopf sowie zur Erhöhung der Selbstversorgung mit Rohstoffen.</li>
<li>Überarbeitung der Gemeinsamen Agrarpolitik, um Landwirte auf der Grundlage der von ihnen erbrachten sozialen und ökologischen Leistungen zu subventionieren.</li>
<li>Verpflichtende Angaben zur Produktlebensdauer, insbesondere für elektronische Güter.</li>
<li>Verpflichtende Nachhaltigkeitssiegel (mit sozial-ökologischen Auswirkungen der Produkte) einführen.</li>
<li>Förderung einer gesünderen pflanzlichen Ernährung.</li>
<li>Steuern auf Werbung und Verbote von Werbespots für ökologisch schädliche Güter wie z.B. SUVs.</li>
<li>Einführung von Kohlenstofftarifen für importierte Waren.</li>
<li>Aktualisieren Sie die Verbrauchssteuern (Mehrwertsteuer) auf der Grundlage des sozial-ökologischen Fußabdrucks von Produkten.</li>
<li>Förderung nicht-materieller Bestrebungen und Werte sowie langsamere und geselligere Lebensweisen zur Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens bei gleichzeitiger Reduzierung des materiellen Verbrauchs.</li>
<li>Reduzieren Sie die Arbeitszeit auf 30 oder weniger Stunden pro Woche.</li>
<li>Legen Sie Ziele zu sozialen Aspekten der Circular Economy fest (z.B. Schaffung von Arbeitsplätzen, Investitionen in Kooperativen und Sozialunternehmen, die an CE arbeiten, und Prozentsatz des Verbrauchs mit einem anerkannten sozial-ökologischen Zertifizierungsprogramm).</li>
<li>Demokratisierung der Entscheidungsstruktur der EU durch Erhöhung der Transparenz, Verbesserung der Entscheidungsverfahren und Einrichtung einer EU-weiten Bürgerversammlung.</li>
<li>Entwickeln Sie eine Umverteilungspolitik, um sicherzustellen, dass die wirtschaftliche Last des Übergangs zur Kreislaufwirtschaft nicht auf die Schwächsten fällt.</li>
<li>Abschaffung der Finanzparadiese und Einführung EU-weiter Steuern auf Vermögen und Finanztransaktionen.</li>
<li>Verstärkte Finanzierung und Technologietransfer in den Globalen Süden für Projekte zu Klimawandel, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft.</li>
</ol>
<p>Wie wir sehen, sind die Rufe der &#8222;Generation Hoffnung&#8220; bereits enthalten. Zusammengenommen verspricht die Auflistung dieser kritischen Punkte, die auf eine junge Generation ausgerichtet sind, die Nerven zeigt, mehr Taten als Worte fordert und in Entscheidungspositionen einzieht, eine Beschleunigung für die Circular Economy. Und es zeigt noch mehr: Die Stakeholder sitzen alle in einem Boot. Einzelne, die nach dem Warum, dem Wie und dem Was fragen, treiben ganze Bewegungen in der Gesellschaft an, wie z. B. den Vegan- Trend und Fridays for Future. Die Wissenschaft unterstützt durch Forschung und neue Erkenntnisse und bringt alles auf einen Tisch. Damit die Politik steuern und die Wirtschaft transformieren kann.</p>
<p>Noch hungriger auf Informationen? Wir haben unseren neuen Buchartikel veröffentlicht, der sich mit noch mehr philosophischen Fragen und frechen Antworten beschäftigt! <a href="https://thinking-circular.com/de/sustainability-yearbook-2021/" target="_blank" rel="noopener">Sie können ihn hier erkunden</a>.</p>
<p>Von Charléne Nessel</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/wie-ein-wal-ohne-orientierung/">Wie ein Wal ohne Orientierung</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>#Homo Circularis</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2021 15:37:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Zirkularität und Realität. Und was das alles mit Bananenbrot zu tun hat. Eveline Lemke, Charléne Nessel Welche Aussage beschreibt die Zukunft der Circular Economy am ehesten? Die Realität wird zirkulär? Oder wird Zirkularität real? Besteht da ein Unterschied? Und stimmt das überhaupt? Sind wir nicht noch Meilen entfernt von einer Circular Economy? Die Circular Economy und der Green Deal sind das von Ursula von der Leyen gewählte große Thema der EU. Es stößt bisher auch kaum auf Kritik, denn es verspricht grüne Wachstumsmöglichkeiten und erreicht neue Zielgruppen. Zudem liefert es Antworten, wie...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/">#Homo Circularis</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div>
<h3>Von Zirkularität und Realität. Und was das alles mit Bananenbrot zu tun hat.</h3>
</div>
<div>
<h4>Eveline Lemke, Charléne Nessel</h4>
</div>
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<p>Welche Aussage beschreibt die Zukunft der <em>Circular Economy</em> am ehesten? Die Realität wird zirkulär? Oder wird Zirkularität real? Besteht da ein Unterschied? Und stimmt das überhaupt? Sind wir nicht noch Meilen entfernt von einer <em>Circular Economy</em>?</p>
</div>
<div>
<p>Die <em>Circular Economy</em> und der Green Deal sind das von Ursula von der Leyen gewählte große Thema der EU. Es stößt bisher auch kaum auf Kritik, denn es verspricht grüne Wachstumsmöglichkeiten und erreicht neue Zielgruppen. Zudem liefert es Antworten, wie wir vielleicht doch auf diesem Planeten überleben können. Die Nachhaltigkeitsbewegung hat jedoch in den letzten 35 Jahren erfahren, dass die Entkopplung des Wachstums vom Ressourcenverbrauch eine schwierige Sache ist. Zudem ist die Gefahr, im Green Deal vor lauter Green Buzzwords und Green Washing verloren zu gehen, sehr groß. Kann die <em>Circular Economy </em>Antworten liefern, die Orientierung im grünen Dschungel bieten?</p>
</div>
<div>
<p><strong>Warum wir die </strong><em><b>Circular Economy</b></em><strong> neu beschreiben müssen: Verwirrung in der Neo-Ökologie </strong></p>
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<p>Aktuell liegt eine Darstellung des Zukunftsinstituts auf dem Tisch, welche sogenannte Buzz-Words und Trends auf einer Karte darstellt, die wie eine Karte der Berliner U-Bahn aussieht. <em>Bio Boom, Sharing Economy, Lebensqualität, Achtsamkeit, Green Tech, Social Business, Post-Wachstumsökonomie, Sinn-Ökonomie, Post-Carbon Gesellschaft, Circular Economy, Zero-Waste</em> uva. Die Zukunftsforscher haben diese Megatrends der <em>Neo-Ökologie</em> als Haltestellen auf die Karte gebracht. Jede Umstiegsoption ist eine Schnittstelle zwischen zwei Trendbegriffen. Wer in die U-Bahn-Linie Neo-Ökologie einsteigt, fährt an Buzz-Word-Stationen vorbei.</p>
<div>
<div id="attachment_3652" style="width: 782px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3652" class="wp-image-3652 size-full" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut..jpg" alt="" width="772" height="481" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut..jpg 772w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut.-300x187.jpg 300w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut.-768x479.jpg 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut.-700x436.jpg 700w" sizes="(max-width: 772px) 100vw, 772px" /><p id="caption-attachment-3652" class="wp-caption-text">Quelle: „Megatrend Map / Megatrend Dokumentation 2018 / Zukunftsinstitut GmbH“</p></div>
<p>Es entsteht der Eindruck, dass die Neo-Ökologie eine Einbahnlinie sei. Wer umsteigt, verlässt die Nachhaltigkeit. Aber Nachhaltigkeit umfasst 17 Ziele und damit mehr als nur einen Zukunftstrend. In der Karte mehrere grüne Ideen und andere wichtige systemische Trends gleichzeitig zu erreichen, ist aber unmöglich. Wozu dient eine Karte? Karten sollen Orientierung geben. Sie sollen uns Menschen helfen, ans Ziel zu kommen. Aber die Karte verwirrt. Zugleich spiegelt die Karte des Zukunftsinstituts die öffentliche Wahrnehmung. Ist die Karte nur die verzerrte Wahrnehmung der Öffentlichkeit oder drückt genau diese <em>Verwirrung </em>die Notwendigkeit aus, Klarheit in die Diskussion um Zukunftsbegriffe und die Einbettung von nachhaltigen Begriffen zu erlangen?</p>
</div>
<div>
<p>Deshalb ist gerade jetzt die Zeit, ein paar Klarstellungen zur Philosophie der Circular Economy vorzunehmen und es ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, einige Voraussetzungen für eine <em>Circular Society</em> zu beschreiben, die als Begriff noch gänzlich auf der Karte fehlt. Es macht Sinn, sich erst wesentliche Unterschiede der Circular Economy zu klassischen Wirtschaftsphilosophien in Erinnerung zu rufen und dann auf politische Maßnahmen und Ziele der EU einzugehen.</p>
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<p>Die bisherigen Wirtschaftsphilosophien waren allesamt nicht nur naturvergessen, sie haben auch den Menschen in seinem Wesen auf wenige Motivationstreiber reduziert. Es wurde angenommen, der Mensch sei ein <em>Homo oeconomicus</em>. Nach Darwin würde er nur als Stärkerer überleben. Mit <em>Geiz und Gier</em> seine ureigenen Überlebensinteressen durchzusetzen – was durchaus auch menschlich ist -, rechtfertigte in den klassischen ökonomischen Wissenschaften die Verfeinerung der Instrumente zur Ausbeutung des Planeten und auch der eigenen Spezies. Jede Managementtechnik kann zum Guten und zum Bösen angewendet werden. Ziel und Kontext sowie die gefassten Entscheidungen bestimmen, ob das Ergebnis ein Gutes oder ein Schlechtes ist. Das setzt aber voraus, dass jeder Technik auch eine Ethik mitgegeben wird. Es setzt auch voraus, dass wir lernen in Systemen zu denken und uns trauen systemische Szenarien als Entscheidungsgrundlagen heranzuziehen. Die <em>Circular Economy </em>eröffnet die Möglichkeit<em>, </em>hier eine Brücke zu bauen.</p>
</div>
<div>
<p>Der Spiegel des <em>Unmenschlichen</em> kann uns Erkenntnis darüber bringen, wie wir uns aus innerem Antrieb verhalten wollen. Wenn unser innerer Antrieb nicht durch ethische, emotionale, empathische Grundsätze gespeist wird, sondern aus dem Anspruch höher, schneller, weiter zu kommen, zeichnen sich die Konsequenzen ab: Der Klimawandel als Spiegel unserer Naturvergessenheit; steigende Ansprüche, mangelndes Selbstbewusstsein und vermehrte Depressionen als Spiegel unseres sozialen Dilemmas durch Social Media und Co.; industrielle Schlachtanlagen als Spiegel unserer Entfremdung von Empathie und Gefühlen zwischen Mensch und Tier. Die Aufzählung könnte hier weiter gehen und lang werden.</p>
</div>
<div>
<p>Damit wir im Einklang mit der Natur auf diesem Planeten existieren können, müssen wir unsere Technik mit Ethik kombinieren. Nur so entsteht eine neue gesellschaftliche Utopie, die uns einen anderen Spiegel vorhält: Wirtschaften ohne die Grenzen des Wachstums zu sprengen. Social Media Influencer, die ihre Reichweite nicht nutzen, um ihr tolles Leben zur Schau zu stellen und zu zeigen, was höher, schneller, weiter heute bedeutet, sondern um <em>Positive Impact</em> für den Planeten und uns Menschen zu erzeugen. Eine Ernährung, die nicht Leid und Krankheit unterstützt, sondern andere Lebewesen und diesen Planeten mit Respekt behandelt. Zum Beispiel, indem wir Blaubeerkuchen statt Bananenbrot backen. Das ist genauso lecker, regional und verbraucht weniger Ressourcen.</p>
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<p>Alle Debatten zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise drehen sich im Kern darum, der wirtschaftlichen Technik eine Moral zu verleihen, also Abstand zu nehmen von Ausbeutung, Naturvergessenheit und Unmenschlichkeit. Die Philosophie der <em>Circular Economy</em> unterscheidet sich deshalb von bisherigen Wirtschaftsphilosophien, da sie der Natur eine eigene Rolle zuschreibt, die einen eigenen Wert besitzt. Sie geht von der Annahme eines emotionalen Menschen aus, der sich auch rational, intelligent und lernend verhält. Sie geht nicht nur davon aus, dass wir als Homo Sapiens durch unseren IQ geprägt sind, sondern auch durch unseren EQ, also unsere emotionale Intelligenz. Der <em>Homo Circularis</em> wird damit zu einem Element im natürlichen System und ist nur eine von vielen Spezies dieser Zeit.</p>
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<p>In einer <em>Circular Society</em> werden die Menschen befähigt, sich in Systeme einer Welt gegenseitiger Abhängigkeiten, Beziehungsgeflechte, natürlicher Regeln und Besonderheiten einzuordnen. Die Menschen in dieser zirkulären Utopie stellen sich nicht auf eine hierarchisch höhere Stufe, als alle anderen Spezies dieser Welt. Sie spielen nicht ständig <em>Blame Game</em>. Sie haben Respekt und übernehmen Verantwortung für Fehler. Sie sind darauf trainiert, resiliente Überlebensmechanismen zu erwerben. Und sie wissen, sie sind Gleiche unter Gleichen. Sie fühlen sich als Teil eines Ganzen. So praktizieren sie respektvollen Umgang mit dem Leben auf diesem Planeten.</p>
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<div>
<p>Viele Menschen der grünen Bewegung würden jetzt vielleicht schon zustimmen und für sich in Anspruch nehmen, ein <em>Homo Circularis</em> zu sein. Schließlich trennen sie Müll, tragen zur Energiewende bei, sparen Strom, ändern ihr Mobilitätsverhalten und steigen vom Diesel auf ein e-Auto um oder treten sogar zum Veganismus über. Das sind alles gute Schritte für den Eintritt in eine <em>Circular Society</em>. Denn damit erweitern wir unser Verständnis für die Kreislaufwirtschaft. Was noch fehlt, ist ein emotionales Grundverständnis. Wir müssen begreifen, dass eine <em>Circular Society </em>nur existieren kann, wenn wir verstehen, dass wir eben nicht rein rational ticken, so wie wir als <em>Homo oeconomicus</em> beschrieben werden, sondern dass wir Menschen sind, die nicht nur Fleisch und Blut, sondern auch Bauchgefühl, Unterbewusstsein und Energie sind.  Keine lineare Einbahnstraße, sondern vielmehr ein Netzwerk, in dem Natur und die Lebewesen auf diesem Planeten miteinander verbunden sind. Unsere Aufgabe ist es, die <em>Circular Economy</em> nicht weiter von hinten aufzuzäumen, indem wir erst die Technik, dann die Gesellschaft und dann den Einzelnen betrachten. Sondern mit dem zu beginnen, was uns selbst betrifft, also auch mit und bei uns selbst. Wie sollen wir sonst ein System verändern, in dem wir uns selbst gefangen halten? Das hat schon Gandhi erkannt: „Verändere dich und du veränderst die Welt.“ Aber eben nicht, indem wir zuhause (zwar auch, aber nicht nur) den Müll richtig trennen, sondern indem wir uns auf die Suche nach unserer Naturverbundenheit machen. Jeder <em>Homo Circularis</em>, der Antworten darauf findet, bildet den Grundstein für eine funktionierende Circular Society, in der eine Circular Economy funktionieren kann.</p>
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<p><strong>Wie die neue Beschreibung gelingen kann: Herausforderungen für die </strong><em><b>Circular Economy</b></em></p>
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<p>Am Anfang der neuen Beschreibung einer Circular Economy steht der Homo Circularis, der sich beim Aufbau der neuen Utopie einige Mindset-Fragen stellen muss: Wie gelingt der sozial-ökologische Umbau? Was bedeutet Circular Economy? Wie soll die Zukunft eines guten Lebens aussehen? Auf der Suche nach Antworten muss er sich radikalen Glaubenssätzen stellen. Auf der einen Seite stehen die Kritiker der ökologischen Modernisierung. Sie glauben nicht an den Klimawandel und haben Angst vor Veränderungen. Eine ökologische Transformation sei weder notwendig, noch möglich, sagen sie. &#8222;<em>Wir können doch nicht zurück unter den Stein kriechen</em>.&#8220; Auf der anderen Seite stehen die Technologie-Kritiker. Eine <em>Circular Economy</em> sei nicht genug, denn wir wären ja immer noch abhängig von Technik, die uns immer wieder in Rebound-Fallen lockt: &#8222;<em>Grüne Technologien können nicht funktionieren, wir technologisieren uns nur noch tiefer in die Misere</em>.&#8220; Beide Stimmen sind berechtigt.</p>
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<p>Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, zwischen <em>Unter den Stein kriechen</em> und <em>Grünen Technologien, die die Natur weiter ausbeuten</em>. Fortschritt bedeutet, aus Fehlern zu lernen. Die <em>Circular Economy</em> ist eine Weiterentwicklung ökonomischer Philosophie, die eine Brücke bauen soll, zwischen einer hoch technokratischen Welt voller Abhängigkeiten und Empathiemangel hin zu den Gesetzen der Natur.</p>
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<p>Die noch zu lösenden Aufgaben am Beispiel der Energiewende zeigen das Dilemma der Rebound-Effekte: Auch wenn Verbrauchsstoffe erneuerbar hergestellt werden und zur Minderung des Treibhauseffektes beitragen, sind die Energieerzeugungsanlagen noch lange nicht naturverträglich. Auch sie müssen technisch kreislauffähig werden. Das heißt Windkraftanlagen und Solaranlagen müssen recyclingfähig sein. Nur so können sie dauerhaft in der wirtschaftlichen Nutzung belassen werden. Denn gerade die seltenen Metalle, die mit großen Anteilen in Windkraftanlagen, PV-Modulen oder E-Autos stecken, werden bald so nachgefragt sein, wie Öl es einmal war. Wir müssen sie auch aus Produkten zurückholen können. Wir müssen nutzen statt zu verbrauchen.</p>
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<p>Im Spiegel der menschlichen Grausamkeit unseres Wirtschaftens sehen wir, wie jährlich fast 100 Milliarden Tonnen Rohstoffe aus diesem Planeten gegraben werden. Nicht einmal 9 % davon bleiben im wirtschaftlichen Kreislauf. Die unvorstellbare Dimension von über 90 Milliarden Tonnen Rohstoffen pro Jahr verschwinden in unbekannten Nutzungen, als Abfall in der Landschaft oder als verbrannte Emissionen in der Luft. Kupfer- oder Titanminen in Chile oder China machen uns extrem deutlich, wie die Grünen Technologien den Tribut an der Natur fordern. Hier liegen Aufgaben vor uns, sonst werden wir die Vision einer Welt ohne Abfall im Green Deal nicht erreichen. Dann machen wir weiter, was Generationen vor uns bereits nicht lösen konnten – nur ein wenig anders, indem wir die Naturzerstörung auf gute moralische Grundsätze bauen.</p>
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<p>Die Europäische Kommission ist bei der Definition der Circular Economy sehr konkret geworden, das hat überrascht. Ihre Definition stammt aus dem Jahr 2017. Sie schreibt uns das Lösen der o.g. Aufgabe damit ins Pflichtenheft. Und sie entspricht dem Denkmodell der Philosophie fast gänzlich.</p>
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<p>Danach soll in einer Ökonomie der Wert von Produkten und Materialien so lange wie möglich erhalten bleiben. Abfall und Ressourceneinsatz müssen minimiert werden. Der Stoffkreislauf soll innerhalb des ökonomischen Systems geschlossen werden, so dass Produkte, welche das Ende ihrer Nutzungsphase erreicht haben, wieder als Ressource dienen, um auch in der Zukunft Werte zu schaffen. Was in der Definition zwar fehlt, aber die EU eingeleitet hat, ist, dass es zukünftig keine gefährlichen Substanzen mehr geben darf, die im Umlauf sind. Alle giftigen Stoffe sollen aus dem Wirtschaftskreislauf ausgeschleust und vernichtet werden. Die Vision einer Welt ohne Abfall ist damit zwar nicht deutlich formuliert, aber ausgeschlossen ist sie nicht. Vor allem gehen die Schritte in die richtige Richtung. Ein Schritt wäre das Ende der Müllverbrennung, sobald alle gefährlichen Substanzen ausgeschleust wurden. Damit schließt sich die Frage an, ob der strategische Ausstieg aus der Müllverbrennung nicht schon heute verhandelt werden muss?</p>
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<p>Die EU hat noch viel zu tun, um das Ziel zu erreichen. Und die Entscheider wissen das auch, denn Europa hat einige Erfahrung und auch schon viel Zeit für die Entwicklung der Circular Economy aufgewendet. Bereits 1975 hat die EU die erste Richtlinie zum Abfallmanagement herausgegeben und 1996 weitreichende Kreislauf-Richtlinien. In 2005 ist dann die Schließung der Deponien in Europa verkündet worden. Seit 2017 gibt es eine EU-Plastik-Strategie und 2019 trat das EU-Circular Economy Package in Kraft.  Das ist Grund zur Freude für die Community der C2C-Innovatoren. Sie können Hoffnung schöpfen, dass endlich auch die Öko-Design Richtlinien angepasst werden und vor allem in den Mitgliedsstaaten greifen. Das C2C nach dem Designprinzip von Prof. Dr. Michael Braungart gibt vor, wie optimale Produkte für eine Circular Economy kreiert werden sollen, damit eine saubere und endlose Nutzbarkeit gewährleistet ist. Wer sich mit C2C auseinandersetzt, findet schnell das einfache Prinzip eines biologischen und eines technischen Kreislaufes heraus, wonach Verbrauchsmaterialien dem biologischen und Nutzungsgüter dem technischen Kreislauf zugeordnet werden dürfen. Beispiel ist hier wieder die Energiewende. Wenn erneuerbare Energie aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse hergestellt wird und als Verbrauchsgut zum Einsatz kommt, so sollten die technischen Anlagen zur Erzeugung nicht toxisch sein, aber langlebig, zerlegbar, reparierbar und recycelbar. Deshalb finden in der C2C Welt vor allem Monomaterialien Verwendung, die nicht geklebt, sondern nur geschraubt werden, damit vom Design her alles reparierbar bleibt. Schließlich bietet das RESOLVE-Prinzip eine gute theoretische Grundlage, die wie ein ökonomisches Werkzeug funktioniert. <span lang="EN-US">RESOLVE steht für (<strong>RE</strong>new, <strong>RE</strong>use, <strong>RE</strong>pair, <strong>RE</strong>furbish, <strong>RE</strong>cycle, <strong>S</strong>hare, <strong>O</strong>ptimize, Close the <strong>L</strong>oop, <strong>V</strong>irtualize, <strong>E</strong>xchange).</span></p>
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<p>Eine Hauptaufgabe der Circular Economy ist die Überwindung des Rebound-Effektes. Hierbei ist Öko-Effektivität das Schlagwort. Der Rebound-Effekt entsteht unbeabsichtigt. Als im Zuge der ersten industriellen Entwicklungsphase die Kohle das Fällen von Bäumen zur Energiegewinnung ablöste und man sich erhoffte, dass sich die Wälder Europas erholen würden, drohten in London die Menschen bereits durch die Emissionen der Kohle zu ersticken. Also löste das Erdöl die Kohle ab, später die Atomenergie. Was aber folgte, war die immer schnellere Entwicklung und das Verschlingen von mehr und mehr Ressourcen. Von der Entkopplung von Ressourcen ist nicht viel zu spüren. Und genau das gefährdet unsere eigene Existenz. Jetzt ist es Zeit, dass der <em>Homo Circularis</em> seinen IQ, seinen EQ und seine Lernfähigkeit unter Beweis stellt!</p>
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<p><strong>Was wir tun müssen, um die </strong><em><b>Circular Economy </b></em><strong>real werden zu lassen: Recyclingquoten oder EU-Plastik-Steuer – was wirkt besser? Eine Debatte, die sich im Kreis dreht, wenn Politik nicht entscheidet.</strong></p>
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<p>Anfang November konnten sich die Organe der EU auf den nächsten langfristigen Haushalt 2021-2027 einigen – ein Bestandteil ist eine Plastiksteuer, die zum 1. Januar 2021 greifen sollte. Da schien es noch, als würde die chinesische Green Fence Politik Europa in Bewegung setzen. Aber der Schein trügt: Die deutsche Debatte zieht ihre Kreise langsam und die Bundesregierung ignoriert das Thema Circular Economy. Einzig der Umgang mit Plastiktüten wurde gerade im Bundestag beraten und entschieden – es sollen weniger davon im Umlauf sein. Aber das reicht nicht aus!</p>
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<p>Wer jetzt auch noch daran denkt, dass Konsument*innen die Steuer wahrnehmen würden, und sie deshalb eine Lenkungswirkung entfalten könnte, der irrt. Denn im Rahmen des am 10. November 2020 beschlossenen Multiannual Financial Frameworks der EU (kurz: MFF) werden Beiträge der EU-Mitgliedstaaten auf Basis der Menge nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle berechnet. Das macht klar, dass es sich nicht um eine Steuer handeln kann, sondern dass sie eine Berechnungsmethode ist, die den EU-Haushalt und deren nationale Beiträge dazu regelt. Nennen wir sie also Abgabe. Sie wird ca. 800 € pro Tonne nicht recycelter Kunststoffverpackungen kosten und soll die Sammel- und Recyclingmaßnahmen erhöhen. Die aktuelle Debatte der Industrie darüber, ob Produktpolitik hier besser greifen würde, als materialspezifische Quoten, scheint in eine Scheindebatte zu mutieren.</p>
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<p>Es ist offensichtlich, dass die Bundesregierung nicht entschieden genug voran geht. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise könnte sie die gebeutelte Recyclingindustrie durch Zuschüsse für Investitionen in Sortieranlagen oder die Hersteller für die Einführung von Produktpässen zur Nachverfolgung von Produkten und Material unterstützen. Hier können Potentiale direkt gehoben werden. Wir werden uns des gesamten Instrumentarienkastens der Regulatorik bedienen müssen, um weiter zu kommen. Dazu zählt nicht nur eine ambitionierte Erhöhung von Sammel- und Recyclingquoten, auch Produktverbote von Einwegproduktverpackungen (die immerhin 40 % an Kunststoffabfällen ausmachen) und eine Ökodesignrichtlinie, die hält, was der Name verspricht, müssen kommen.</p>
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<p>Bis 2050 eine Industrie zu entwickeln, die im Kreislauf funktioniert ist keine Utopie. Das ist eine realistische Vision. Aber es braucht viele, die das verstanden haben und daran mitwirken.</p>
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<p>Circular Economy bis 2050 &#8211; Was bedeutet das noch? Jüngste Studien zum Verbrauch von Ressourcen auf unserem Planeten zeigen, dass bis zu 100 Mrd. Tonnen Material, Flüssigkeiten oder Stoffe von diesem Planeten entnommen werden, um unsere industriellen Bedürfnisse zu befriedigen. Natürlich sind Trink- und Industriewasser sowie Biomasse die Materialien, die wir heute als am ehesten zirkuläre bezeichnen können. Erst ab Platz drei folgen dann verschiedene Metalle, Papier oder etwa Asphalt. Insgesamt fließen nicht einmal 9 % aller Produkte in einem Kreislauf. Und die Wissenschaft hat nur unzureichend Informationen darüber, wo jährlich 90 Mrd. Tonnen Stoffe und Materialien verblieben sind, die wir vorher aus dem Planeten entnommen haben. Wie kann das sein?</p>
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<p>Anlässlich des 5. Europäischen Ressourcenforums 2020 wurde deshalb der Ruf nach einem „Intergovernmental Panel for Resources“ immer lauter. Ähnlich der Forschungsarbeit für das Klima durch das IPCC (Intergovernmental Panel for Climate Change) könnte dann die Wissensarbeit auf diesem Planeten dazu beitragen, die Circular Economy zu entwickeln. Hoffnung macht, dass jüngst die Anzahl der beobachteten Forschungsarbeiten gestiegen ist. Wenn noch vor wenigen Jahren nur ca. 300 Veröffentlichungen zu Kreislaufthemen erschienen, so waren es im letzten Jahr rund 3000. Immerhin ein Anfang. Aber das wird nicht reichen, um das Thema adäquat zu beschreiben oder gar zu lösen.</p>
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<p>Die ökonomische Dimension der Lenkungsmechanismen birgt Kommunikationsbedarf. Prof. Stahl lehrt als Baustein der Circular Economy die „Perfomance Economy“. Er beschreibt, wie eine Ökonomie, die wieder mehr repariert, umbaut und ausbaut als in einer Wegwerf-Gesellschaft, auch höhere Löhne und Gehälter für eben diese Dienstleistungen, also die Performance, gezahlt werden müssen. Die Senkung oder sogar Abschaffung von Steuern auf Arbeit macht als Lenkungsinstrumentarium vor diesem Hintergrund plötzlich richtig viel Sinn. Die zirkulären Business-Cases um Sharingmodelle, benutzen statt besitzen und „product as a service“ passen hier gut hinein. Die Besteuerung von C02 oder treibhausschädlichen Gasen ergänzt das Lenkungsinstrument. So wird die <em>Circular Economy </em>konkret. Und wie sollte eine Zukunft ohne <em>Circular Economy </em>überhaupt aussehen?</p>
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<p>Am Ende ist die Realität, dass es ohne Zirkularität nicht geht. Und dass eine Zirkularität nicht existieren kann, ohne sich in die Realität einzubetten. Ein <em>Business-As-Usual</em> wird nicht funktionieren, genauso wenig wie die Vorstellung, wir könnten uns gänzlich von bisherigen Annehmlichkeiten verabschieden. Wir brauchen eine Brücke. Die <em>Circular Economy </em>kann diese Brücke bilden. Aber eine ökonomische Theorie der Zirkularität wird erst Realität, wenn wir als Mensch ins Handeln kommen. Wie handelt ein <em>Homo Circularis? </em>Er repariert, statt wegzuwerfen. Er baut Gemüse an, statt zu importieren. Er spricht über Themen der Selbstverwaltung. Hier ist Raum für Diskussion, wie wir uns als <em>Homo Circularis </em>in eine <em>Circular Society </em>einbringen. Um gemeinsam die Brücke in eine enkeltaugliche Zukunft zu bauen.</p>
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<p>So, was hat das alles jetzt nochmal mit Bananenbrot zu tun? Eigentlich nichts. Aber irgendwie auch alles. Es geht um die kleinen Dinge im Leben und die Frage, wie gutes Leben aussehen kann. Und wie schön wäre eine <em>Circular Society</em>, in der wir gelernt haben, mehr auf unser „Bauch“-Gefühl zu hören und <em>Circular Impact </em>direkt selbst zu kreieren? Und Bananenbrot klang halt einfach saftiger als „eine philosophische Abhandlung über die Grenzen der Circular Economy“.</p>
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		<title>Circular Society? Eine Einladung ins Forum</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/circular-society-eine-einladung-ins-forum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Feb 2021 14:33:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jedes Kind weiß heute: Wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Obgleich wir seit fast 40 Jahren versuchen, die Abfallwirtschaft zu perfektionieren, Umweltauflagen erfinden und Produzentenverantwortung predigen. Allzu oft wird den Konsumenten alleine Schuld am Konsumstil zugewiesen, der sich nach dem Prinzip „take, make, waste“ orientiert. Hinzu kommt der unsichtbarer Feind, der Rebound-Effekt, der uns ständig neue Produkte kaufen lässt, immer im Glauben, dass das Neue besser als das Alte sei: weniger Energie verbrauche, besser für das Klima sei. Sichtbar wird dieses Phänomen, wenn Produkte gerade nach dem Garantiedatum des Herstellers...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jedes Kind weiß heute: Wir sind eine Wegwerfgesellschaft. Obgleich wir seit fast 40 Jahren versuchen, die Abfallwirtschaft zu perfektionieren, Umweltauflagen erfinden und Produzentenverantwortung predigen. Allzu oft wird den Konsumenten alleine Schuld am Konsumstil zugewiesen, der sich nach dem Prinzip „take, make, waste“ orientiert.</p>
<p>Hinzu kommt der unsichtbarer Feind, der Rebound-Effekt, der uns ständig neue Produkte kaufen lässt, immer im Glauben, dass das Neue besser als das Alte sei: weniger Energie verbrauche, besser für das Klima sei. Sichtbar wird dieses Phänomen, wenn Produkte gerade nach dem Garantiedatum des Herstellers kaputt gehen, das nennt sich dann Obsoleszenz Strategie. Und es bedeutet, dass Hersteller mit Absicht Wegwerf-Produkte konstruieren. Die Produzentenverantwortung wird also nicht wahrgenommen.</p>
<p>Und am Ende wird die ganze Gesellschaft gezwungen, den Wegwerf-Weg mitzugehen.</p>
<p>Wer kann das kranke Wegwerf-Phänomen korrigieren? Die Antwort auf diese Frage ist existenziell. Grund genug, sich mit diesem Phänomen im <strong>social design lab</strong> der Hans Sauer Stiftung zu befassen.</p>
<p>Zentrale Feststellung des <strong>social design lab</strong> ist: Circular Economy Prinzipien alleine aus der Produzentenperspektive zu verfolgen reicht als Nachhaltigkeitsstrategie nicht aus. Auch die Konsumenten müssen wieder mit ran. Das bedeutet, die Circular Economy kann nur mit einer gesellschaftspolitischen Kontinuität, die gleichermaßen von Produzenten und von Konsumenten betrieben wird, erfolgen.</p>
<p>Der Wege könnte dann in eine Circular Society führen, also dem Gegenteil von der Wegwerfgesellschaft. Wie der Name es sagt, der Weg führt in eine Kreislaufgesellschaft. Wie das gehen kann, darüber wollen die Mitglieder des social design lab in einem gemeinsamen Forum diskutieren. Und das Forum soll auch ein Ort werden, an dem Ideen, Visionen und Wissen über die Circular Society ausgetauscht werden können. Interessierte sind herzlich eingeladen</p>
<p>Hier geht es zum <strong>„Circular Society Forum“.<img decoding="async" class="size-medium wp-image-3628 alignright" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/CSF21_Logo_Varianten_yellowish-294x300.png" alt="" width="294" height="300" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/CSF21_Logo_Varianten_yellowish-294x300.png 294w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/CSF21_Logo_Varianten_yellowish-1002x1024.png 1002w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/CSF21_Logo_Varianten_yellowish-768x785.png 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/CSF21_Logo_Varianten_yellowish-700x715.png 700w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/CSF21_Logo_Varianten_yellowish.png 1463w" sizes="(max-width: 294px) 100vw, 294px" /></strong></p>
<p><strong>Anmeldung zum Forum vom 22. – 25. Februar 2021.</strong></p>
<p>Programm.</p>
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