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	<title>#Homo Circularis Archive &#8211; Thinking Circular</title>
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	<description>Das Multiversum der Kreislaufwirtschaft.</description>
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		<title>Literaturtipp &#8211; Die Unterwerfung von Philipp Blom</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/literaturtipp-die-unterwerfung-von-philipp-blom/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jan 2024 13:02:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschutz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom Ende der menschlichen Herrschaft. Und vom Neubeginn des menschlichen Seins. Die aktuellen Bauernproteste zeigen mal wieder: Klimaschutz wird gegen den Schutz menschlicher Interessen gestellt, wie die Grundversorgung mit Lebensmitteln. Und natürlich kennen wir die Argumente, mit denen wir für klimafreundliche Landwirtschaft und Tierschutz werben. Dennoch verfängt das Argument, das Klimaschutz kein Menschenschutz ist, auf subtile Art. Grund also, dieser Metapher nachzuspüren. Denn nur, wenn wir verstehen, warum der vermeintliche Gegensatz von Natur und Kultur (Mensch als kulturelles Wesen) so gut verfängt, können wir beginnen, ihm eine angemessene...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/literaturtipp-die-unterwerfung-von-philipp-blom/">Literaturtipp &#8211; Die Unterwerfung von Philipp Blom</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 style="font-weight: 400;">Vom Ende der menschlichen Herrschaft.</h3>
<h3 style="font-weight: 400;">Und vom Neubeginn des menschlichen Seins.</h3>
<p style="font-weight: 400;">Die aktuellen Bauernproteste zeigen mal wieder: Klimaschutz wird gegen den Schutz menschlicher Interessen gestellt, wie die Grundversorgung mit Lebensmitteln. Und natürlich kennen wir die Argumente, mit denen wir für klimafreundliche Landwirtschaft und Tierschutz werben. Dennoch verfängt das Argument, das Klimaschutz kein Menschenschutz ist, auf subtile Art. Grund also, dieser Metapher nachzuspüren. Denn nur, wenn wir verstehen, warum der vermeintliche Gegensatz von Natur und Kultur (Mensch als kulturelles Wesen) so gut verfängt, können wir beginnen, ihm eine angemessene Antwort zu geben. Dazu können wir auf den Bestsellerautor Philipp Blom schauen. Blom hat mit „Die Unterwerfung“ einen Blick auf die große Veränderung des seit über 3500 Jahren kulturellen dokumentierten Paradigma der menschlichen Herrschaft über die Natur geworfen. Als Historiker und Philosoph mit Lebensmittelpunkt in Wien nimmt er uns mit auf eine 368 Seiten lange Reise durch die Geschichte, um das Paradigma der „Menschlichen Herrschaft“ zu ergründen, welches im globalen Norden oft durch die Genesis 1:28 der Bibel mit der Aufforderung Gottes verbunden ist, dass wir uns mehren und uns die Erde untertan machen, nicht zuletzt mit unserer Art zu wirtschaften. Blom zeigt uns, dass wir dieses Verständnis auch in den anderen Weltreligionen und Kulturkreisen finden. Und es bringt Mechanismen mit, die zu einer Bereinigung von Andersdenkenden führen soll. So beschreibt er den „Ethic Clensing-Mechanismen“ und leitet daraus die großen kognitiven Schwierigkeiten ab, neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge systemische Zusammenhänge, den Klimawandel und die Natur als solche nicht im Konflikt mit unserer Kultur zu denken.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die wunderbare argumentative Herleitung, dass NUR der Glaube oder die Überzeugung an die Herrschaft des Menschen auf der Erde zu einem dauerhaften Konflikt zwischen Natur und Kultur führen konnte, hat mich dann doch irgendwie erleichtert. Als Politikerin, insbesondere als Grüne Wirtschaftsministerin, bin ich immer wieder mit den Argumenten konfrontiert worden, dass ich nicht menschenfreundlich handeln würde, wenn Prioritäten für Themen der Natur und des Klimas gesetzt wurden. Die ungeheure Wucht und das Verfangen dieses Arguments erstaunten mich immer wieder. Sie erschüttert und macht völlig fassungslos. Blom trägt jedoch dazu bei, dass ich die kulturelle Programmierung dieser Hybris des Menschen noch besser nachvollziehen kann. Nur so können wir ihr nämlich auch begegnen.</p>
<p style="font-weight: 400;">Eine Hilfestellung ist die Erinnerung an Humboldt und sein Lebenswerk, dessen Aufgabe es war, die Welt als Ganzes zu beschreiben und sein Werk als Kosmos zu erfassen. Damit sind wir beim Systemdenken, der Systemanalyse oder Systemmanagement und können uns die Frage stellen, welches System wir selbst verkörpern? Blom fasst prägnant zusammen, dass unser Körper auch nur ein „symbiotischer biologischer Ereignishorizont mit einem inneren Puppentheater“ sei, der den alten Adam ersetze. Damit beschreibt er, dass unser „erlebendes Ich“ doch nur ein von Milliarden von Mikroorganismen mit eigener Genetik bestimmter Körper sei. Die Frage, ob unser Erleben, unser Bewusstsein und unser Horizont von Begehren und Lust oder Schmerz doch nur ein Aspekt der Symbiose vieler Tausend Spezies sei, beantwortet fast das kulturelle Ziel der Hybris der menschlichen Herrschaft. Denn diese verlangt nach ewigem Leben.</p>
<p style="font-weight: 400;">Die Erkenntnis dieser Unmöglichkeit hat einen Preis. Den Preis des radikalen Denkens des Menschen als ein Wesen, das unentrinnbar mit der Existenz aller anderen Lebewesen auf diesem Planeten verstrickt ist. Dass Freiheit deshalb vielleicht nur eine Illusion ist, schreibt Blom nicht. Aber die Frage liegt unausgesprochen auf dem Tisch.</p>
<p><span style="font-weight: 400;">Die Beschreibung des Menschenbildes des Homo Circularis, welches eine Antwort darauf geben könnte, mit welchem Verständnis wir gerne leben, wohl in der Erkenntnis unfrei zu sein, zeigt für uns in die richtige Richtung. Deshalb verweisen wir gerne noch einmal darauf:</span></p>
<p><a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis-das-resultat-einer-entwicklung/" target="_blank" rel="noopener">Homo Circularis &#8211; das Resultat einer Entwicklung </a></p>
<p><a href="https://thinking-circular.com/de/zirkulaerer-konsum-was-prosument-und-steward-unterscheidet/" target="_blank" rel="noopener">Zirkulärer Konsum &#8211; was Produzent und Steward unterscheidet</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie verhalten sich Menschen in der Zukunft nachhaltig?</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/wie-verhalten-sich-menschen-in-der-zukunft-nachhaltig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Jun 2021 12:05:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Klimawandel]]></category>
		<category><![CDATA[Nachhaltigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sustainability]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie wir heute wissen, ist der Klimawandel menschengemacht. Das heißt, unser nachhaltiges Verhalten bestimmt über unsere Zukunft und die Zukunft unseres Planeten. Wenn Marktforscher das Verhalten von Menschen kategorisieren, entwickeln sie sogenannte Personas. Solche Personas gibt es auch, um Menschen zu beschreiben, die sich nachhaltig verhalten. Allerdings trauen wir keiner Marktforschung. Außer, wir haben sie selbst gemacht oder überprüft. Aus diesem Grund haben wir gängige Personas (mit Namen Hannah, Tom, Dori und Ulrike) der Studie Nachhaltiges Leben 2020 unter die Lupe genommen. Zur Überprüfung haben wir einen eigenen...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/wie-verhalten-sich-menschen-in-der-zukunft-nachhaltig/">Wie verhalten sich Menschen in der Zukunft nachhaltig?</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie wir heute wissen, ist der Klimawandel menschengemacht. Das heißt, unser nachhaltiges Verhalten bestimmt über unsere Zukunft und die Zukunft unseres Planeten. Wenn Marktforscher das Verhalten von Menschen kategorisieren, entwickeln sie sogenannte Personas. Solche Personas gibt es auch, um Menschen zu beschreiben, die sich nachhaltig verhalten. Allerdings trauen wir keiner Marktforschung. Außer, wir haben sie selbst gemacht oder überprüft. Aus diesem Grund haben wir gängige Personas (mit Namen Hannah, Tom, Dori und Ulrike) der Studie Nachhaltiges Leben 2020 unter die Lupe genommen. Zur Überprüfung haben wir einen eigenen Fragebogen aufgesetzt, den wir Euch hier angeboten hatten.</p>
<h3>Personas zur Betrachtung einer bestimmten Gruppe</h3>
<p>Unsere vier Persona-Typen sind am Ende der Bewertung beschrieben. Zusätzlich haben wir dort auch noch Aspekte einer Kritik eingefügt, die uns wichtig ist. Dennoch benutzen wir das gedankliche Modell der Personas als <em>Couragierte Weltretter, Fürsorgliche Gestalter, Konsequente Weltverbesserer und Zurückgezogener Pragmatiker</em> zur Betrachtung einer relevanten Größe von Menschen, die uns aus dem selbstgemachten (menschengemachten) Dilemma wieder rausführen könnte. Wir wollen nämlich auch wissen, wie groß die Gruppe an Menschen mit Leadership-Qualitäten ist, die uns nachhaltiges Verhalten als Rollen-Modell vermittelt. Schauen wir uns erst einmal unsere Überprüfung an:</p>
<p>Erwartungsgemäß unterscheiden sich unsere Persona-Typen von den vier Originalen. Als ganz wesentlich stellte sich heraus, dass die demografischen Daten nicht zwingend mit den beschriebenen Typen zusammenpassen und dass Menschen anders leben, als sie angeben, leben zu wollen.</p>
<p>Wir haben festgestellt, dass unter 10 Befragten gerade einmal 1 couragierter Weltretter und 1 konsequenter Weltverbesserer vertreten ist. Weitere 5 Befragte verhalten sich wie zurückgezogene Pragmatiker (dieses Verhaltensmuster ist mit Abstand am häufigsten anzutreffen) und die restlichen 3 wie fürsorgliche Gestalter.</p>
<p>Wenn wir uns vorstellen, in unserer Gesellschaft wären  10 % Weltretter und 10 % Weltverbesserer mit echten Leadership Qualitäten, die Unternehmerinnen und Unternehmer dabei unterstützen, sie in eine nachhaltige Wirtschaft zu führen und wir stellen uns auch vor, dass 80 % (vor allem Mitarbeitende) aus Fürsorge die Aktivitäten der Weltretter mittragen, dann gäbe es ja vielleicht  eine Chance, das Überleben auf diesem Planeten langfristig für uns zu sichern. Leider haben wir aber die Umfrage im Umfeld von ohnehin nachhaltig agierenden Menschen vorgenommen und deshalb müssen wir diese Aussage jetzt auch noch mal richtig auf Unternehmensebene einordnen.</p>
<h3>Nur 1.120 Führungspersönlichkeiten für Nachhaltigkeit</h3>
<p>Wir holen uns  eine Zahl aus dem <a href="https://www.nachhaltigkeitsrat.de/wp-content/uploads/2021/05/2105012_Studie_Stand_nachhaltiges_Wirtschaften_Deutschland.pdf" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Bericht des Rates für Nachhaltigkeit</a> aus diesem Jahr. Damit  wissen wir, dass nicht einmal 0,13 % der Unternehmen nachhaltig handeln. Mehr als 3 Mio. Unternehmen verhalten sich einfach NICHT zur Nachhaltigkeit. Auf dieser Grundlage dürfen wir davon ausgehen, dass aktuell nur ca. 1.120 Unternehmenschef*Innen als Weltretter*Innen oder Weltverbesser*Innen Nachhaltigkeit vorantreiben und wirkliche „Leadership-Qualitäten“ an den Tag legen. Ob das reicht? Können diese 1.120 Menschen rund 3 Millionen andere Unternehmenschef*Innen motivieren, nachhaltiger zu werden?</p>
<p>Wir denken schon, denn bei der Beantwortung der Frage, wie Menschen sich in der Zukunft nachhaltig verhalten, finden sich Antworten in der Gegenwart: Die vier Personas zeigen, wie nachhaltiges Verhalten bereits heute gelebt wird und sie zeigen die Charaktereigenschaften, die der Homo Circularis aufweist. Der Homo Circularis gibt Antworten <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/">#Homo Circularis – Thinking Circular</a>, wie Menschen sich in der Zukunft nachhaltig verhalten, wenn die Transformation in die zirkuläre Utopie einer Circular Economy und einer Circular Society gelingt.</p>
<p>Das gibt Grund zur Hoffnung! Wenn mehr Menschen sich wie ein Homo Circularis verhalten, können wir die Verhaltensgeschichte der Zukunft selbst schreiben und überleben. Und das müssen wir auch tun, denn der Klimawandel ist das existenzgefährdende Resultat unseres Verhaltens. Wenn wir aus diesem Wissen nicht lernen uns anders zu verhalten, dann wird es auch keine Zukunft für Menschen auf diesem Planeten geben.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<h4>Vorstellung der Personas und Kritik</h4>
<p>&nbsp;</p>
<h4><strong>Hannah, 24 Jahre alt, Studentin: </strong>(Alter und Beruf von uns fiktiv hinzugefügt)</h4>
<p>Hannah ist vom Nachhaltigkeitstyp her „Couragierte Weltretterin“. Diese Gruppe von Nachhaltigkeitsmenschen gehört zu den Generationen Y und Z. Couragierte Weltretter sind also zwischen 1980 und 2012 geboren. Sie folgen bewusst anderen Werten als die Generationen vor ihnen.</p>
<p>Für einen Großteil dieses Segments gilt, dass sie bevorzugt in der Stadt leben, ein geringes Einkommen haben, eine mittlere bis hohe Bildung genießen, ledig sind und keine Kinder haben. Die meisten couragierten Weltretter sind weiblich.</p>
<p>Morgens hören sie gerne Musik über diverse Streamingdienste. Tagsüber nutzen sie über ihr Smartphone Online Presse und zwischendurch Social Media. Abends schauen sie Serien und Dokus über Streamingdienste. Klassisches Fernsehen schauen sie eher seltener.</p>
<p>83% der couragierten Weltretter sind sehr affin für vegetarische Ernährung. 81% interessieren sich für Naturkosmetik. Und 91% wollen Plastikverpackungen vermeiden.</p>
<p>Zu den wichtigsten Themen gehören für sie Tierwohl, keine Massentierhaltung und saubere Umwelt. Ihre wichtigsten Werte sind Freiheit, Neugier, Zusammenhalt, Toleranz und Frieden.</p>
<h4><strong>Tom, 35 Jahre alt, Ingenieur: </strong>(Alter und Beruf von uns fiktiv hinzugefügt)</h4>
<p>Tom ist vom Nachhaltigkeitstyp her „Fürsorglicher Gestalter“. Diese Gruppe von Nachhaltigkeitsmenschen gehört zu den Generationen X und Y. Fürsorgliche Gestalter sind also zwischen 1965 und 1999 geboren.</p>
<p>Für einen Großteil dieses Segments gilt, dass sie sowohl gerne in der Stadt als auch auf dem Land leben, ein mittleres bis hohes Einkommen haben, eine mittlere bis hohe Bildung genießen, verheiratet sind und Kinder haben. Die meisten fürsorglichen Gestalter sind männlich.</p>
<p>Morgens lesen sie klassische Tageszeitung und hören Radio. Tagsüber nutzen sie Online Presse und hören Podcasts. Abends schauen sie sowohl Streamingdienste als auch klassisches Fernsehen.</p>
<p>92% der fürsorglichen Gestalter versuchen Mikroplastik zu vermeiden. 83% verwenden Ökostrom. Und 77% nutzen vermehrt Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel oder Car-Sharing statt mit dem eigenen Auto zu fahren.</p>
<p>Zu den wichtigsten Themen gehören für sie liebevoller Umgang mit Kindern, Familienfrieden und Zeit mit der Familie. Ihre wichtigsten Werte sind Gerechtigkeit und nicht vorschnell zu urteilen.</p>
<h4><strong>Dori, 50 Jahre alt, Professorin: </strong>(Alter und Beruf von uns fiktiv hinzugefügt)</h4>
<p>Dori ist vom Nachhaltigkeitstyp her „Konsequente Weltverbesserin“. Diese Gruppe von Nachhaltigkeitsmenschen lässt sich in allen Generationen wiederfinden.</p>
<p>Für einen Großteil dieses Segments gilt, dass sie bevorzugt in der Großstadt leben, ein hohes Einkommen haben, eine mittlere bis hohe Bildung genießen, verheiratet sind oder in einer Beziehung leben. Viele von ihnen haben Kinder. Konsequente Weltverbesserer sind gleichverteilt unter Männern und Frauen.</p>
<p>Morgens und tagsüber lesen sie gerne Blogs, Online Presse und Online Magazine und hören Podcasts. Klassische Zeitungen nutzen sie eher seltener. Auch Social Media nutzen sie so gut wie gar nicht. Abends schauen sie Serien und Dokus über Streamingdienste. Klassisches Fernsehen spricht sie nicht an.<strong>                </strong></p>
<p>95% der konsequenten Weltverbesserer haben eine hohe Affinität für nachhaltig und fair hergestellte Kleidung. 87% verreisen weniger mit dem Flugzeug. Und 82% achten auf ethische und grüne Investments ihrer Bank.</p>
<p>Zu den wichtigsten Themen gehören für sie Umwelt und Frieden. Ihre wichtigsten Werte sind Vertrauen und Respekt.</p>
<h4><strong>Ulrike, 67 Jahre alt, Rentnerin: </strong>(Alter und Beruf von uns fiktiv hinzugefügt)</h4>
<p>Ulrike ist vom Nachhaltigkeitstyp her „Zurückgezogene Pragmatikerin“. Diese Gruppe von Nachhaltigkeitsmenschen ist eine Untergruppe der Babyboomer. Zurückgezogene Pragmatiker sind also zwischen 1946 und 1964 geboren.</p>
<p>Für einen Großteil dieses Segments gilt, dass sie bevorzugt ländlich leben, ein mittleres Einkommen haben, eine mittlere Bildung genießen, verheiratet sind und Kinder haben. Die meisten zurückgezogenen Pragmatiker sind weiblich.</p>
<p>Morgens lesen sie klassische Tageszeitungen. Tagsüber nutzen sie Social Media und gelegentlich Online Magazine. Abends schauen sie überwiegend klassisches Fernsehen.</p>
<p>95% der zurückgezogenen Pragmatiker versuchen Verpackungen, v.a. aus Plastik, zu vermeiden. 91% sind sehr affin für regionale Produkte. Und 84% nutzen natürliche Reinigungsmittel.</p>
<p>Zu den wichtigsten Themen gehören für sie Familie und Hilfsbereitschaft. Ihre wichtigsten Werte sind Ehrlichkeit, Toleranz und Respekt.</p>
<p><strong>___________________________________________________</strong></p>
<h4>Daran gibt es zwei Kritikpunkte zu äußern:</h4>
<p>&nbsp;</p>
<ol>
<li>
<h4><strong>Die Darstellung solcher Personas kann zu Greenwashing führen.</strong></h4>
</li>
</ol>
<p>Denn nicht jedes Unternehmen und nicht jede Marketingagentur verfolgt noble Ziele. Vorrangig bleibt das Ziel mehr Profit zu machen, indem grüne Produkte besser vermarktet werden können, weil man weiß, wie Menschen ticken, die nur grün kaufen. Ob diese Produkte dann tatsächlich so grün sind, oder nur Green Buzz Words verwendet werden, die den Werten dieser Personas entsprechen, ist häufig intransparent. Für den Kunden, der sich schützen möchte, gilt dann: Erst Recherche, dann kaufen. Wie zirkulärer Konsum funktionieren kann, kann in dieser <a href="https://pod.co/gruene-wirtschaft-fuer-morgen-circular-economy/zirkulrer-konsum" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Podcast-Folge</a> nachgehört werden.</p>
<ol start="2">
<li>
<h4><strong>Die Methode zur Entwicklung von Personas gilt als umstritten in der Forschung. </strong></h4>
</li>
</ol>
<p>Sie beinhaltet kreativen Spielraum. Nichtsdestotrotz kann sie hilfreich sein. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Verhaltensfragen zu beleuchten. Und auch, um Klarheit zu verschaffen. Personas werden häufig in Bildern erstellt und möglichst realitätsnah. Die Persona bekommt dann einen Namen, Kleidung, ein Gesicht. Unsere kreative Gehirnhälfte, unsere Vorstellungskraft, springt darauf an. Forschung wird plötzlich greifbar. Und genau daher gilt die Persona-Methode auch als forschungsproblematisch. Nach wie vor gilt: Forschung ist nur dann sexy, wenn sie den Leser geradezu intellektuell überfordert. Wer schlau klingt, muss schlau sein. Heute gilt jedoch immer mehr, „Für Dummies“ ist das neue Sexy. Keep it short, simple…and stupid! Forschung und Bildung werden auf kreative Weise revolutioniert. Und es zeigt sich: So einfach wie möglich ist manchmal viel schwieriger als komplexe Darstellungen.</p>
<p>Von Eveline Lemke und Charléne Nessel</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Zirkulärer Konsum – was Prosument und Steward unterscheidet</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/zirkulaerer-konsum-was-prosument-und-steward-unterscheidet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 May 2021 14:28:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Consumption]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der menschliche Akteur in der Circular Economy ist ein ziemlich interessantes Thema. Bisweilen wird davon ausgegangen, dass VerbraucherInnen die Circular Economy hauptsächlich durch ihre Nachfrage nach zirkulären Produkten unterstützen. Systemdenker sagen, VerbraucherInnen werden in dieser Rolle überschätzt. Und noch dazu suggeriert diese Denkhaltung, dass wir unser bisheriges System aufrechterhalten können. VerbraucherInnen müssen lediglich anders einkaufen. Aber das geht nicht weit genug. Warum nicht, dass möchten wir in diesem Blogbeitrag aufklären. In der Circular Economy wird das Pferd bisweilen von hinten aufgezäumt. Die Denkschule der Circular Economy hat sich...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der menschliche Akteur in der Circular Economy ist ein ziemlich interessantes Thema. Bisweilen wird davon ausgegangen, dass VerbraucherInnen die Circular Economy hauptsächlich durch ihre Nachfrage nach zirkulären Produkten unterstützen. Systemdenker sagen, VerbraucherInnen werden in dieser Rolle überschätzt. Und noch dazu suggeriert diese Denkhaltung, dass wir unser bisheriges System aufrechterhalten können. VerbraucherInnen müssen lediglich anders einkaufen. Aber das geht nicht weit genug. Warum nicht, dass möchten wir in diesem Blogbeitrag aufklären.</em></p>
<p>In der Circular Economy wird das Pferd bisweilen von hinten aufgezäumt. Die Denkschule der Circular Economy hat sich in den letzten Jahren hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, wie die Wirtschaft umgestellt werden müsste, damit wir innerhalb der planetarischen Grenzen bleiben. Aber unsere Wirtschaft besteht aus Menschen, die aus bestimmten Grundsätzen heraus handeln. Und um planetarische Grenzen ganzheitlich zu denken, müssen nicht nur die Wirtschaftssysteme, sondern auch die Menschen und ihre Denk- und Verhaltensmuster mitgedacht werden.</p>
<h3>Das Menschenbild einer Circular Society</h3>
<p>Seit 2020 beschäftigt sich der Circular Economy Diskurs immer stärker auch mit einer Circular Society und den Menschen, die Teil der Transformation sind. Dabei tauchen immer mehr Fragen zum Individuum auf. Auf der einen Seite haben wir Produzenten, auf der anderen Seite haben wir Konsumenten. Welche Denkhaltung nehmen Konsumenten in einer Circular Economy ein? Wie sieht das Menschenbild eines <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/" target="_blank" rel="noopener">Homo Circularis</a> aus, der sich individuell, in der Gesellschaft und einer zirkulären Wirtschaft ausdrückt? Sprechen wir noch von Konsumenten? Oder von Prosumenten? Und stehen diese zukünftig noch auf zwei unterschiedlichen Seiten? Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob VerbraucherInnen so mächtig sind, wie es bisweilen eingeschätzt wird. Welchen Werten folgen sie? Wie funktioniert der zirkuläre Konsum?</p>
<p>Der Begriff des Prosumenten ist über den Konsumenten hinausgedacht. Als ProsumentInnen bezeichnen wir heute Menschen, die sich am Design und dem Herstellen von Produkten beteiligen. Die Erzeugung und der Verkauf von Solarstrom mit der eigenen PV-Anlage kann hier als Beispiel genannt werden. Aber ProsumentIn kann man in vielen Bereichen sein. Demzufolge gelten auch Besucher eines Wikis, die gelegentlich mitarbeiten, und Blogger, die Beiträge anderer Blogger lesen und kommentieren, als ProsumentInnen. ProsumentIn sein kann bereits mit dem Anbau von eigenem Gemüse anfangen. Und beim Upcyceln von Produkten weitergehen, wenn ein Prosument aus einer alten Dose ein gänzlich neues Produkt herstellt.</p>
<p>Aber ist das Konzept des Prosumenten ausreichend weit gedacht? Müssen wir in der Zukunft nicht sogar besser von Stewards sprechen? Das wären dann die Menschen, die ihre Rolle nicht nur im Co-Designen und Co-Herstellen von Produkten sehen, sondern in der Begleitung und Bewahrung von Materialien. Damit wäre der Prosument eine Vorstufe des Stewards. Die Definition und Unterscheidung der beiden Begriffe ist wichtig, denn Sprache beeinflusst maßgeblich unsere Denk- und Verhaltensmuster.</p>
<p>Wir müssen akzeptieren, dass wir die Erde von unseren Kindern nur geborgt haben. Diese geborgten Materialien brauchen einen Begleiter, einen Steward – an jeder Stelle der Wertschöpfungskette. Auch im Verbrauch. Und das geht über die Frage hinaus, welche Produkte und Dienstleistungen VerbraucherInnen zukünftig kaufen.</p>
<h3>Verbraucherbilder sind nicht unumstritten</h3>
<p>Für Marktforscher ist es ohnehin interessant, die VerbraucherInnen besser zu kennen. Wie sehen VerbraucherInnen-Typen aus, die dann gezielt beworben oder mit Marketing angesprochen werden können? Kersty Hobson spricht dabei über die Entstehung von „paradoxen Figuren“ bei der Beschreibung von Verbraucherbildern oder sogenannten Personas. Wir finden ihre Kritik interessant und haben sie beleuchtet.</p>
<p>Dr. Kersty Hobson – Lehrerin für Humangeographie an der Cardiff University in Wales, Großbritannien &#8211; ist Expertin für nachhaltige Konsummuster. Sie forscht seit langem zum Thema des nachhaltigen Konsums. Ihre Forschungsarbeiten reichen zurück bis 2002 zu ihrer Veröffentlichung „Competing Discourses of Sustainable Consumption: Does the Rationalisation of Lifestyles Make Sense?“ Seit 2016 veröffentlicht sie immer mehr Artikel über nachhaltigen Konsum im Rahmen der Circular Economy. Ihr letztes, 2021 veröffentlichtes, Papier befasste sich mit „The limits of the loops: critical environmental politics and the Circular Economy“.</p>
<p>Kersty Hobson übt Kritik am <a href="https://clubofrome.de/news/system-change-compass/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Kompass für den Systemwandel</a> von SystemIQ und dem Club of Rome, die immer noch von der Macht starker VerbraucherInnen ausgehen. Der Kompass, der von SystemIQ und dem Club of Rome entworfen wurde, beschreibt eine Transformation, die erforderlich ist, um die Treiber unseres sozioökonomischen Systems zu verändern.</p>
<p>Der Kompass definiert Verbrauch als Verschiebung von Besitz zur Benutzung von Produkten. Er sieht damit die Zukunft in „Product-as-a-service“-Modellen. In dem Kompass wird argumentiert, dass ein solches „Zurücksetzen grundlegender Voraussetzungen“ politisch festgesetzt werden kann. Aber gilt das auch für den Konsum? Hobson ist kritisch. Wie sollte das aussehen?</p>
<h3>Die Verantwortung der VerbraucherInnen</h3>
<p>SystemIQ und der Club of Rome schlagen vor:</p>
<ul>
<li>VerbraucherInnen über bessere Konsumentscheidungen aufzuklären und zu befähigen, z. B. durch Produktpässe,</li>
<li>VerbraucherInnen alternative Optionen zu bieten, die sie &#8211; am Beispiel einer weniger an Besitz orientierten jüngeren Generation &#8211; kennenlernen können, und</li>
<li>Produzenten-Verantwortung zu ermöglichen.</li>
</ul>
<p>Hobson ist das zu wenig. Als Wissenschaftlerin weiß sie, die Forschung bestätigt, dass „Aufklärung von VerbraucherInnen“ nicht unbedingt Veränderungen im Verhalten nach sich ziehen. Untersuchungen zeigen auch, dass es naiv ist anzunehmen, dass die jüngere Generation weniger eigentumsorientiert ist. Oft ist das auch von den Umständen und dem Einkommen in der Generation abhängig. Wenn junge Menschen Arbeit bekommen und eine Familie haben, ändert sich dies erheblich. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass jüngere Generationen eine bestimmte Denkweise haben, die einen zirkulären Konsum ermöglicht.</p>
<h3>Neue Konzepte für eine Transformation</h3>
<p>Wenn wir dem Weg von SystemIQ und dem Club of Rome folgen, ist es wahrscheinlich, dass unser aktuelles Wirtschaftssystem im Status Quo verbleibt und nicht transformiert wird. Hobson schlägt vor, dass das Konzept für eine Transformation über das Geschäftsmodell „Mieten und Ausleihen“ und über das Denkmodell „Benutzen statt Besitzen“ hinausgehen muss. Es gäbe beispielsweise keine Grundlage dafür anzunehmen, dass Car-Sharing ein Gefühl der Verbindlichkeit erzeugt, dass das geteilte Auto ein gemeinschaftliches Gut ist. Ganz nach dem Grundsatz: Wenn alle verantwortlich sind, ist keiner verantwortlich.</p>
<p>Was bedeutet es, zu einer individuellen, gemeinsamen und kollektiven Identität überzugehen? Was würde eine Umgestaltung unserer kollektiv sozial-materiellen Beziehungen erfordern?</p>
<h3>Circular Economy verändert den Verbrauch</h3>
<p>Hobson bemängelt darüber hinaus, dass eine wichtige Perspektive in der Betrachtung fehle, die zur Abschwächung von Rebound-Effekten grundlegend ist. Sie kritisiert damit die konzeptionelle Basis des SystemIQ-Ansatzes und sagt, dass VerbraucherInnen ihr Verhalten nicht ändern, nur weil ein Produkt anders gekennzeichnet sei. Im Gegenteil, der Dschungel an Kennzeichen mache die Konsuminformation noch schwieriger. Und dann steigen VerbraucherInnen aus. VerbraucherInnen würden aber weiterhin kaufen, wenn Produkte und Dienstleistungen besser seien.</p>
<p>Und das ist in der Tat so. Es wird davon ausgegangen, dass VerbraucherInnen, wie auch immer wir Produkte herstellen (besser, schneller, stärker), diese annehmen werden, weil sie BESSER sind. Nicht, weil sie sie brauchen. Als Beispiel nennen wir hier elektronische Geräte. Sie können effizienter gebaut werden, um Energie zu sparen. Aber die Ansammlung elektronischer Geräte auf den Dachböden und Kellern der VerbraucherInnen beweist den Rebound-Effekt. Hier liegen Berge von Ressourcen auf Halde. Ein weiteres Beispiel könnte die Elektromobilität sein. Wenn VerbraucherInnen sich besser fühlen, weil sie elektrisch und somit umweltfreundlicher fahren, was hindert sie daran, mehr zu fahren? Worin liegt die Motivation, trotz gutem Gewissen, künftig weniger zu fahren?</p>
<p>Bessere oder effizientere Produkte herzustellen kann nicht die Lösung dafür sein, in einer Circular Economy einen zirkulären Verbrauch zu schaffen. Es würde eher bedeuten, dass wir die Circular Economy innerhalb der aktuellen wirtschaftlichen Normen und Systeme halten und sie einfach „am Laufen halten“.</p>
<h3>Homo Oeconomicus und Homo Circularis</h3>
<p>Natürlich wird es unterschiedliche VerbraucherInnen geben. Es gibt z.B. den „Homo Oeconomicus“-Typ von VerbraucherIn, der immer das Produkt kauft, das ihm am besten dient, z.B. weil es am günstigsten ist. Geiz ist immer noch geil.</p>
<p>Es wird aber auch den „Homo Circularis“-Typ von VerbraucherIn geben, der sich in seiner Rolle anders versteht. Ihm werden nicht nur Produkte und Dienstleistungen offeriert, die sein Leben bequemlicher machen, sondern auch die Möglichkeit, die Welt aktiv mitzugestalten und sich der „Konsumarbeit“ zu stellen, wie Hobson es nennt.</p>
<p>Während der &#8222;Homo Oeconomicus&#8220; die beste Option aufgreift, weil sie IHM dient, gibt es den &#8222;Homo Circularis&#8220;, der fähig und willens ist, die &#8222;Konsumarbeit&#8220; in Formen neuer materieller Beziehungen, z. B. Carsharing, zu übernehmen, sowie sich an verschiedenen Formen des lokalen Ehrenamts, z. B. Repair Cafés, zu beteiligen. Hopson argumentiert, die Theorien der &#8222;Konsumarbeit&#8220; zeigen, wie sehr das Wirtschaftssystem auf solche unbezahlte Arbeit angewiesen ist. Die Ellen MacArthur Stiftung sowie andere wichtige Akteure der Circular Economy sehen &#8222;Konsumarbeit&#8220; als Gewinn für uns alle an. Aber es muss Obergrenzen dafür geben, wie viel Arbeit wir alle einbringen können. Das zeigen viele Studien. Einkaufen muss schnell gehen…</p>
<h3>Konsumarbeit</h3>
<p>Der European Green Deal (2019) kombiniert die Herstellung besserer Produkte und die „Konsumarbeit“ als Ziele für den <a href="https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2019-002750-ASW_EN.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Circular Economy Aktionsplan</a>: <em>„Der Circular Economy Aktionsplan wird auch Maßnahmen enthalten, um Unternehmen zu ermutigen, wiederverwendbare Produkte anzubieten, langlebige und reparierbare Produkte und den Verbrauchern die Wahl zu ermöglichen. Er wird die Notwendigkeit eines „Rechts auf Reparatur“ analysieren und die eingebaute Obsoleszenz von Geräten, insbesondere für die Elektronik, eindämmen. Die Verbraucherpolitik wird dazu beitragen, die Verbraucher zu befähigen, fundierte Entscheidungen zu treffen und eine aktive Rolle beim ökologischen Übergang zu spielen. Neue Geschäftsmodelle, die auf dem Mieten und Teilen von Waren und Dienstleistungen beruhen, werden eine Rolle spielen, solange sie wirklich nachhaltig und erschwinglich sind.” </em> (übersetzt aus dem Englischen)</p>
<h3>Konsumentensouveranität</h3>
<p>Das ist natürlich gut, aber Hobson warnt zu Recht vor der „heiligen Kuh“ der Konsumentensouveranität. VerbraucherInnen können nicht einzig und allein durch ihre Konsumentscheidungen Art und Umfang der Produktion steuern. Und ohne ein Recht auf Reparatur würde niemand die erforderliche Konsumarbeit angehen, bemängelt Hobson. Starke VerbraucherInnen brauchen starke Rechte. Gleichzeitig warnt Hobson, dass die größten Auswirkungen von Konsum in Bereichen wie Reisen, Wohnen oder Essen liegen. Hier stellt sich erneut die Frage nach der Denk- und Lebenshaltung von Menschen in einer Circular Economy, die über das Kaufen von Produkten hinausgeht.</p>
<p>Wir denken, Hobson hat Recht: Das Motto „effizientere Märkte und Geschäftsmodelle“ wird zu immer neuen Rebound-Effekten führen. Darum müssen wir aufhören, über den „Zirkulären Verbraucher“ zu reden und die Wirkung anderer Konzepte erforschen.</p>
<h3>Das Menschenbild des Stewards</h3>
<p>Wir sind vom Konzept des Stewards angetan! Der Steward kauft Produkte, die für Recycling designt sind. Darüber hinaus repariert er seine Produkte so lange und so oft wie möglich. Anstatt etwas wegzuschmeißen, gibt er das Produkt am Ende seiner Nutzungsdauer zurück in den Wertstoffkreislauf: an den Produzenten, an den nächsten Nutzer oder an den Recycler. In dieser Rolle als Begleiter überführt er Materialien damit in die nächste Lebenszyklusphase. Ähnlich wie ein Flugbegleiter, also ein Steward oder eine Stewardess, begleitet er somit das Material von A nach B. Folglich beschützt und bewahrt er damit den Wert der Ressource. Das beinhaltet auch eine andere Denkhaltung. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und respektiert die planetarischen Grenzen. Damit erfüllt der Steward seine Aufgabe, und überführt das Material qualitativ so hochwertig wie möglich in die nächste Nutzungsphase.</p>
<p>Damit klärt sich auch die Frage nach der Verantwortung im Car-Sharing. Als Materialverwalter könnte der <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/" target="_blank" rel="noopener">Homo Circularis</a>, der das Menschenbild eines Stewards beschreibt, hier ein guter Ausgangspunkt sein, um dieses Konzept umzusetzen.</p>
<p>Von Eveline Lemke und Charléne Nessel</p>
<p><a href="https://pod.co/gruene-wirtschaft-fuer-morgen-circular-economy/zirkulrer-konsum" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Unseren Podcast zu zirkulärem Konsum finden Sie hier.</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/zirkulaerer-konsum-was-prosument-und-steward-unterscheidet/">Zirkulärer Konsum – was Prosument und Steward unterscheidet</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
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		<title>Wie ein Wal ohne Orientierung</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/wie-ein-wal-ohne-orientierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Apr 2021 08:47:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Aus der Naturwissenschaft lernen wir, dass Blauwale durch Schiffslärm, sterbende Riffs, steigende Temperaturen, durch den Klimawandel oder weil sie Plastikmüll verschlucken, desorientiert werden. Genau wie die Wale ist auch unsere materielle Welt desorientiert. Nutzen wir die Metapher: Noch entziehen wir diesem Planeten jedes Jahr 100 Milliarden Tonnen Material. Das entspräche mehr als 666 Millionen Blauwalen. Immer noch eine zu große Zahl, um sie sich vorstellen zu können. Nur 9 % des gesamten Materials bewegt sich in Zyklen. Stellen Sie sich also vor, die ca. 10.000 Blauwale, die es...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/wie-ein-wal-ohne-orientierung/">Wie ein Wal ohne Orientierung</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus der Naturwissenschaft lernen wir, dass Blauwale durch Schiffslärm, sterbende Riffs, steigende Temperaturen, durch den Klimawandel oder weil sie Plastikmüll verschlucken, desorientiert werden. Genau wie die Wale ist auch unsere materielle Welt desorientiert. Nutzen wir die Metapher:</p>
<p>Noch entziehen wir diesem Planeten jedes Jahr 100 Milliarden Tonnen Material. Das entspräche mehr als 666 Millionen Blauwalen. Immer noch eine zu große Zahl, um sie sich vorstellen zu können.</p>
<p>Nur 9 % des gesamten Materials bewegt sich in Zyklen. Stellen Sie sich also vor, die ca. 10.000 Blauwale, die es noch gibt, schwimmen orientierungslos im Ozean und nur 900 von ihnen haben eine klare Route. Das ist ein ziemliches Chaos.</p>
<p>Aus diesem Grund fordern immer mehr Menschen einen &#8222;Zwischenstaatlichen Ausschuss für Ressourcen&#8220;, um mehr darüber zu erfahren, wohin die Materialien gehen. Auch hier wiederholt sich das Wachstum des Interesses. Innerhalb weniger Jahre ist die Zahl der Forschungsarbeiten zu Themen der Circular Economy von 300 auf 3.000 gestiegen. Und auch Kreislaufkonzepte sind im Kommen.</p>
<p>Im Jahr 2020 wurde durch das CRESTING-Projekt eine interaktive Zeitleiste der Circularity-Denkschule eingeführt. CRESTING ist ein von der EU gefördertes Forschungs- und Innovationsprojekt. Es zeigt, dass die Publikationen kaskadenartig nach oben gehen, recht deutlich:</p>
<div id="attachment_3851" style="width: 1034px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3851" class="wp-image-3851 size-large" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-1024x470.jpg" alt="" width="1024" height="470" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-1024x470.jpg 1024w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-300x138.jpg 300w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-768x352.jpg 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-1536x705.jpg 1536w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-2048x939.jpg 2048w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Circularity-Timeline-700x321.jpg 700w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><p id="caption-attachment-3851" class="wp-caption-text">Source: Cresting Circular Economy</p></div>
<h3>Das Forschungsprojekt- und Innovationsprojekt CRESTING</h3>
<p>Als erstes und einziges Forschungsprojekt, dem es gelungen ist, die Entwicklung der 70 aktuellen Zirkularitätskonzepte in einem Schaubild darzustellen, bietet es einen spektakulären Überblick. Und nicht nur, dass das Forschungsteam die Herausforderung angenommen hat, einen roten Faden für all die verschiedenen Konzepte zu schaffen, es hat auch die verschiedenen Entwicklungsperioden von der Präambel bis zur Gültigkeitsherausforderung herausgearbeitet. Da es sich um eine interaktive Zeitleiste handelt, kann man hinein- und herauszoomen und durch Anklicken der einzelnen Konzepte mehr Informationen über diese erhalten.</p>
<p>Hier eine herzliche Empfehlung von uns für alle, die sich für die <a href="http://cresting.hull.ac.uk/impact/circularity-timeline/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Geschichte der Circular Economy</a> interessieren.</p>
<p>Wenn man sich die Zeitleiste genauer ansieht, scheint es, dass viele Konzepte von asiatischen Ideen beeinflusst sind, was nur unterstreicht, dass die Circular Economy ein Thema von globalem Interesse und Bedeutung ist.</p>
<p>Wenn man durch die verschiedenen Konzepte blättert, stellt sich die Frage, wie vollständig das Bild ist? Wir haben eine Menge ökonomischer Theorien und allgemeiner Philosophien über das gute, nachhaltige Leben. Auch das Thema der Circular Society fehlt nicht. Was fehlt, ist ein Gegenentwurf zum Homo Oeconomicus, dem Denkmodell für eine lineare Wirtschaft und Gesellschaft. Wenn wir nach einer Transformation von take-make-dispose forschen wollen, müssen wir dann nicht auch das Individuum berücksichtigen? Können wir das wirklich ausschließen? Das mentale Modell einer Circular Economy und Society wird zentral sein.</p>
<p>Und natürlich gibt es bereits mentale Modelle, die da draußen beschrieben werden. Unsere Beschreibung des Homo Circularis ist nur Eines. Die Theorie des Homo Oecologicus sei als Beispiel genannt. Die Theorie des Homo Sustinens ist ein weiteres. (Wollen Sie mehr wissen? <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis-das-resultat-einer-entwicklung/" target="_blank" rel="noopener">Hier finden Sie den Artikel über die Entwicklung von mentalen Modellen</a>).</p>
<p>Nichtsdestotrotz wird bei der Betrachtung der Zeitleiste deutlich, dass das Forschungsprojekt ein Geschenk für die zukünftige zirkuläre Entwicklung gewesen ist, das alle losen Enden zusammenbindet.</p>
<p>Für das CRESTING-Team endete die Forschung nicht an der Timeline. Sie haben noch einige weitere Artikel veröffentlicht, die interessante Zusammenhänge im grünen Dschungel aufdecken.</p>
<p>Eine davon ist eng mit der Zeitachse verbunden und zielt darauf ab, durch die verschiedenen Visionen einer Circular Economy zu navigieren. Sie ist lesenswert und kann hier heruntergeladen werden: Eine Typologie von Kreislaufwirtschaftsdiskursen: Navigieren durch die verschiedenen Visionen eines umstrittenen Paradigmas &#8211; ScienceDirect</p>
<h3>Die Aufzählung der fehlenden Elemente</h3>
<p>Ein anderer Beitrag beschäftigt sich mit der politischen Realität. Dabei schließt er Forschungslücken über den aktuellen Diskurs zur Circular Economy durch die Analyse von Worten und Taten. Und obwohl die EU-Politiker bereits einiges erreicht haben, zeigt die Analyse: Es gibt noch Raum für Verbesserungen. Und diese Verbesserungen sind zentral, um die Visionen der Circular Economy zu erreichen. Aus einer Postwachstums- Perspektive schlägt das Papier 32 alternative wissenschaftsbasierte Maßnahmen vor, um die EU Richtlinien zur Circular Economy zu verbessern. Es ist sehr gut strukturiert und erklärt klar die Notwendigkeiten auf diesem Gebiet. Daher wird es den kritischen Gemeinschaften und Think Tanks helfen, den Schwerpunkt auf fehlende Elemente zu legen, um die Europäische Kommission weiter in die richtige Richtung zu drängen. Fehlende Elemente, die unterstützt werden sollten, sind in einer langen Liste zusammengestellt, die hier nicht fehlen soll:</p>
<ol>
<li>Legen Sie Grenzwerte für die Raten der vollständigen Energierückgewinnung und/oder strengere Beschränkungen für die Verbrennung von recycelbaren, wiederverwendbaren oder kompostierbaren Abfällen fest.</li>
<li>Starke Einschränkung oder Verbot des Exports von Abfällen außerhalb der EU.</li>
<li>Verbot der Vernichtung von unverkauften Warenbeständen.</li>
<li>Führen Sie einen verpflichtenden Produktpass mit Informationen zu allen Materialien und Komponenten ein, um die Produkt- und Materialrückgewinnung zu erleichtern.</li>
<li>Alle erweitern die Ökodesign-Vorschriften auf schnelllebige Unterhaltungselektronik wie Handys, Tablets und Computer.</li>
<li>Förderung von Open-Source-Innovationen (z. B. durch die Vorgabe, dass alle Hardware und Software von abgekündigten Produkten Open Source wird).</li>
<li>Verbessern Sie die Ökodesign-Vorschriften, um sicherzustellen, dass Reparaturhandbücher vollständig frei und Open-Source sind.</li>
<li>Richten Sie Zuschüsse für Reparaturdienste ein, um einkommensschwachen Gruppen zu helfen.</li>
<li>EU-weite Online-Plattformen für den Handel mit Sekundärmaterialien und -produkten einrichten.</li>
<li>Reduzieren Sie die Mehrwertsteuer für wiederverwendete, wiederaufbereitete, überholte und reparierte Waren und Reparaturdienstleistungen.</li>
<li>Ressourcen (insbesondere Rohstoffe) statt Arbeit besteuern.</li>
<li>Abschaffung der Subventionen für fossile Brennstoffe.</li>
<li>Legen Sie verbindliche Ziele und Anforderungen für eine kreislauforientierte und umweltfreundliche öffentliche Beschaffung fest.</li>
</ol>
<ol start="14">
<li>Legen Sie Ziele für den Anteil von Sekundärmaterialien oder nachhaltigen erneuerbaren Materialien in neuen Produkten und Gebäuden fest.</li>
<li>Verbesserung der Ökodesign-Vorschriften durch Hinzufügen von Maßnahmen zur Produktlebensdauer, Multifunktionalität, Aufrüstbarkeit und Modularität.</li>
<li>Erhöhen Sie die vorgeschriebenen Mindestgarantiezeiten.</li>
<li>Legen Sie verbindliche Ziele zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen fest.</li>
<li>Festlegung von Zielen zur Reduzierung des Pro-Kopf-Abfallaufkommens, des Pro-Kopf- Materialbedarfs und des ökologischen Fußabdrucks pro Kopf sowie zur Erhöhung der Selbstversorgung mit Rohstoffen.</li>
<li>Überarbeitung der Gemeinsamen Agrarpolitik, um Landwirte auf der Grundlage der von ihnen erbrachten sozialen und ökologischen Leistungen zu subventionieren.</li>
<li>Verpflichtende Angaben zur Produktlebensdauer, insbesondere für elektronische Güter.</li>
<li>Verpflichtende Nachhaltigkeitssiegel (mit sozial-ökologischen Auswirkungen der Produkte) einführen.</li>
<li>Förderung einer gesünderen pflanzlichen Ernährung.</li>
<li>Steuern auf Werbung und Verbote von Werbespots für ökologisch schädliche Güter wie z.B. SUVs.</li>
<li>Einführung von Kohlenstofftarifen für importierte Waren.</li>
<li>Aktualisieren Sie die Verbrauchssteuern (Mehrwertsteuer) auf der Grundlage des sozial-ökologischen Fußabdrucks von Produkten.</li>
<li>Förderung nicht-materieller Bestrebungen und Werte sowie langsamere und geselligere Lebensweisen zur Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens bei gleichzeitiger Reduzierung des materiellen Verbrauchs.</li>
<li>Reduzieren Sie die Arbeitszeit auf 30 oder weniger Stunden pro Woche.</li>
<li>Legen Sie Ziele zu sozialen Aspekten der Circular Economy fest (z.B. Schaffung von Arbeitsplätzen, Investitionen in Kooperativen und Sozialunternehmen, die an CE arbeiten, und Prozentsatz des Verbrauchs mit einem anerkannten sozial-ökologischen Zertifizierungsprogramm).</li>
<li>Demokratisierung der Entscheidungsstruktur der EU durch Erhöhung der Transparenz, Verbesserung der Entscheidungsverfahren und Einrichtung einer EU-weiten Bürgerversammlung.</li>
<li>Entwickeln Sie eine Umverteilungspolitik, um sicherzustellen, dass die wirtschaftliche Last des Übergangs zur Kreislaufwirtschaft nicht auf die Schwächsten fällt.</li>
<li>Abschaffung der Finanzparadiese und Einführung EU-weiter Steuern auf Vermögen und Finanztransaktionen.</li>
<li>Verstärkte Finanzierung und Technologietransfer in den Globalen Süden für Projekte zu Klimawandel, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft.</li>
</ol>
<p>Wie wir sehen, sind die Rufe der &#8222;Generation Hoffnung&#8220; bereits enthalten. Zusammengenommen verspricht die Auflistung dieser kritischen Punkte, die auf eine junge Generation ausgerichtet sind, die Nerven zeigt, mehr Taten als Worte fordert und in Entscheidungspositionen einzieht, eine Beschleunigung für die Circular Economy. Und es zeigt noch mehr: Die Stakeholder sitzen alle in einem Boot. Einzelne, die nach dem Warum, dem Wie und dem Was fragen, treiben ganze Bewegungen in der Gesellschaft an, wie z. B. den Vegan- Trend und Fridays for Future. Die Wissenschaft unterstützt durch Forschung und neue Erkenntnisse und bringt alles auf einen Tisch. Damit die Politik steuern und die Wirtschaft transformieren kann.</p>
<p>Noch hungriger auf Informationen? Wir haben unseren neuen Buchartikel veröffentlicht, der sich mit noch mehr philosophischen Fragen und frechen Antworten beschäftigt! <a href="https://thinking-circular.com/de/sustainability-yearbook-2021/" target="_blank" rel="noopener">Sie können ihn hier erkunden</a>.</p>
<p>Von Charléne Nessel</p>
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		<title>Ein neuer Trend: Wie Vegetarier die Circular Economy beschleunigen</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/cresting-circular-economy-market-and-research-trends/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Apr 2021 14:34:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Sustainability]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In Deutschland lag der Marktanteil grüner Produkte im Jahr 2017 bei etwa 11% (neueste Zahlen; das sind 139 Mrd. EUR von insgesamt 1.300 Mrd. EUR BIP). Das Ziel eines höheren Marktanteils grüner Produkte ist es, im Jahr 2030 32% zu erreichen (= 404 Mrd. EUR). Wussten Sie schon? &#8211;  Der Verbrauch von grüner Energie ist seit 2011 um 50 % gestiegen. &#8211;  Nach der Einführung vertrauenswürdiger Umweltsiegel verdreifacht sich der Umsatz mit grünen Produkten innerhalb eines Jahres. &#8211;  82% der 15 &#8211; 29-Jährigen revolutionieren derzeit den Lebensmittelmarkt, indem...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div>
<p style="text-align: left;" align="center"><span style="font-size: 16px;">In Deutschland lag der Marktanteil grüner Produkte im Jahr 2017 bei etwa 11% (neueste Zahlen; das sind 139 Mrd. EUR von insgesamt 1.300 Mrd. EUR BIP). Das Ziel eines höheren Marktanteils grüner Produkte ist es, im Jahr 2030 32% zu erreichen (= 404 Mrd. EUR).</span></p>
</div>
<ul>
<li>Wussten Sie schon?
<ul>
<li>&#8211;  Der Verbrauch von grüner Energie ist seit 2011 um 50 % gestiegen.</li>
<li>&#8211;  Nach der Einführung vertrauenswürdiger Umweltsiegel verdreifacht sich der Umsatz mit grünen Produkten innerhalb eines Jahres.</li>
<li>&#8211;  82% der 15 &#8211; 29-Jährigen revolutionieren derzeit den Lebensmittelmarkt, indem sie weniger oder kein Fleisch essen.</li>
<li>&#8211;  33 % davon sind erst seit 2020 Teil der Entwicklung.</li>
<li>&#8211;  Die Zahl der Forschungsarbeiten zu zirkulären Themen ist innerhalb weniger Jahre von 300 auf 3.000 Arbeiten gestiegen.</li>
</ul>
</li>
</ul>
<p>Zur Veranschaulichung (Marktentwicklung nur theoretisch):</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-3827 size-full" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Timeline-Grafik.png" alt="" width="505" height="265" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Timeline-Grafik.png 505w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Timeline-Grafik-300x157.png 300w" sizes="(max-width: 505px) 100vw, 505px" /></p>
<p>Rein rechnerisch bedeutet das, dass jede dritte Person grüne Produkte zu Hause verwendet. Das ist doch ein ganz schönes Ziel, oder? Ist es machbar? Nah an der Realität? Oder aus der Luft gegriffen?</p>
<p>Der Sektor der erneuerbaren Energien könnte ein gutes Best-Practice-Beispiel sein, das man sich ansehen sollte. Derzeit ist der Marktanteil der grünen Energie seit 2011 kontinuierlich um 50 % gestiegen. Ein Beschleuniger war zweifellos die Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011.</p>
<p>Beschleuniger können helfen, den Marktanteil grüner Produkte in die Höhe zu treiben. Beschleuniger können ein Event, eine Bewegung, aber auch die grüne Kennzeichnung von Produkten sein, damit Kunden im grünen Dschungel der Buzz- und Trendwörter Orientierung finden. Beispiel ist hier das GOTS-Label, ein vertrauenswürdiges und prominentes Umweltzeichen. Studien zeigen, dass sich nach der Kennzeichnung von Produkten mit GOTS der Umsatz innerhalb von nur einem Jahr nach Einführung des Siegels verdreifacht hat.</p>
<p>Nach der Analyse erfolgreicher zirkulärer Produkte und Systeme wird ein Muster deutlich: Es muss ein Zeitfenster in Kombination mit einem Treiber geben.</p>
<p>Was hat es also mit weniger Fleisch zu tun? Und vor allem für die Circular Economy?</p>
<p>Die Circular Economy ist eine Antwort darauf, wie man auf diesem Planeten doch noch überleben kann. Die zukünftige Realität wird durch zirkuläres Denken und Verhalten gestaltet. Warum? Weil zirkuläres Denken in die aktuelle Realität eingebettet ist. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass Theorien über nachhaltiges Leben einbeziehen müssen, dass nicht alle Menschen auf diesem Planeten plötzlich auf Annehmlichkeiten verzichten werden &#8211; eine Voraussetzung für manche Nachhaltigkeitskonzepte. Aber die Menschen wollen trotzdem modern leben und nicht ins Mittelalter zurückfallen.</p>
<p>Da kommt unsere Idee des Homo Circularis ins Spiel. (Wollen Sie mehr wissen? <a href="https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/" target="_blank" rel="noopener">Hier finden Sie den ganzen Artikel</a>).</p>
<p>Wie verhält sich ein Homo Circularis? Er repariert, statt zu entsorgen. Er baut Gemüse an, statt welches zu importieren. Er spricht über Suffizienz, Subsistenz und darüber, wie man ein gutes Leben führen kann. Er respektiert andere Menschen, den Planeten und andere Arten. Er isst weniger Fleisch und ist vielleicht sogar vegan. Hier ist Raum für Diskussionen, wie der Homo Circularis in einer zirkulären Gesellschaft leben würde, die die Grundlage für die Zukunft unserer Enkelkinder bildet.</p>
<p><img decoding="async" class="wp-image-3781 size-full aligncenter" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Wortmannchen.jpg" alt="" width="535" height="554" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Wortmannchen.jpg 535w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/04/Wortmannchen-290x300.jpg 290w" sizes="(max-width: 535px) 100vw, 535px" /></p>
<p>Zukunft ist das Stichwort, über das wir sprechen sollten. Wird die künftige Generation, die gerade heranwächst und die das gesamte Leben, Glauben und Wirtschaften der Zukunft bestimmen wird, der Homo Circularis sein? Und wie wird sich die Corona-Krise auswirken?</p>
<p>Die Hoffnung scheint berechtigt: Der Fleischatlas 2021 des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz hat hochinteressante Fakten zum Ernährungsverhalten der &#8222;Generation Hoffnung&#8220; offenbart.</p>
<p>Doppelt so viele der 15 &#8211; 29-Jährigen leben vegetarisch und vegan im Vergleich zum Gesamtbevölkerungsdurchschnitt. Das bedeutet, dass insgesamt 13 % dieser Generation vegetarisch oder vegan lebt (10,4 % vegetarisch, 2,3 % vegan). Diese Entwicklung hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Außerdem sind 25% Flexitarier und weitere 44% wollen den Fleischkonsum reduzieren. Insgesamt befinden sich 82% der 15 &#8211; 29-Jährigen in einer Umstellung ihrer Essgewohnheiten, um das Klima zu retten. Wahnsinn! Die Umfragen zeigen, dass Fridays for Future seit der ersten weltweiten Aufmerksamkeit im Jahr 2018 ein Katalysator war. Seitdem sind die Zahlen deutlich gestiegen und mehr als die Hälfte dieser Generation ist Fan der Bewegung. Es zeigt sich, dass sich dieser Trend innerhalb eines Jahres noch mehr beschleunigt hat. Der Großteil der befragten Zukunftsgeneration ist erst seit dem letzten Jahr Teil der Transformation geworden. Kann das auch mit COVID-19 zu tun haben? Wenn man die Ursache der Pandemie als Teil unserer Naturvergessenheit betrachtet, die zu Systemen führt, die nicht mehr im Gleichgewicht mit unseren Ökosystemen und unserer Gesundheit sind, könnte die Antwort ja lauten.</p>
<p>Wie auch immer, Circular Economy und zirkuläres Verhalten erfahren eine Beschleunigung, befeuert durch spezifische Katalysatoren. Offensichtlich besteht hier ein „Window of Opportunity“. Die zukünftige Generation fordert das System durch ihre Essgewohnheiten heraus. Da schafft die junge Generation gerade Schmerzpunkte, zeichnet Zukunftsvisionen, die zeigen, wie nachhaltiges Leben und Überleben funktionieren könnte und wozu sie bereit ist.</p>
<p>Auffällig ist, wie stark der Fleischkonsum mit politischen Einstellungen verknüpft ist. Wer weniger Fleisch konsumiert, will sich als Homo Circularis verhalten, nämlich umweltfreundlicher, ernährungs- und tierschutzbewusster. Bewusstheit ist ein großes Thema. Unter den Veganern sehen sich 75 % als Teil der Klimaschutzbewegung, unter den Vegetariern fast 50 %, unter den Omnivoren sind es nur 15 %. 42% der Vegetarier und 63% der Veganer engagieren sich gegen Lebensmittelverschwendung, bei den Allesessern sind es nur 29%. Unter den Vegetariern lehnen 92% die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie ab; unter denjenigen, die sich vegan ernähren, sind es 96%; unter den Allesessern 64%.</p>
<p>Offensichtlich ist der Fleisch- oder Nicht-Fleisch-Konsum inzwischen ein stark politisches Thema, keine private &#8222;Geschmackssache&#8220;. Die Vertreter der veganen Ernährung sind auch besonders an Ernährung interessiert, während die Gruppe, die alles isst, deutlich weniger Interesse daran hat. Die Befürworter der vegetarischen und veganen Ernährung sind deutlich nachhaltigkeitsorientierter und sehen sich auch als Vorreitergruppe eines nachhaltigen Lebensstils &#8211; oder des Lebensstils eines Homo Circularis?</p>
<p>Die Jugendlichen sehen den Staat in einer (Mit-)Verantwortung für eine nachhaltige Ernährung. Dementsprechend gibt es eine deutliche Zustimmung zu vielen, aber nicht allen der befragten politischen Instrumente, die einen nachhaltigen Konsum unterstützen könnten. Sie befürworten eine Klimakennzeichnung von Lebensmitteln und eine Verschärfung des Tierschutzgesetzes &#8211; ebenso wie eine verpflichtende Tierschutzkennzeichnung. Ein verpflichtender &#8222;Veggie-Day&#8220; wird eher kritisch gesehen.</p>
<p>Die junge Generation könnte unsere neue Generation des Homo Circularis &#8211; oder &#8222;Generation Hoffnung&#8220; &#8211; und ein klarer Beschleuniger für den Aufbau einer Circular Society und Circular Economy sein. Das Thema Lebensmittel ist das Thema der jungen Generationen. Aber natürlich ist die Circular Economy so viel mehr. Es geht um das Management all unserer Ressourcen und Massenströme in biologischen und technischen Kreisläufen.</p>
<h6>Von Charléne Nessel</h6>
<p>Der Beitrag <a href="https://thinking-circular.com/de/cresting-circular-economy-market-and-research-trends/">Ein neuer Trend: Wie Vegetarier die Circular Economy beschleunigen</a> erschien zuerst auf <a href="https://thinking-circular.com/de/">Thinking Circular</a>.</p>
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		<item>
		<title>Homo Circularis – das Resultat einer Entwicklung</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/homo-circularis-das-resultat-einer-entwicklung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Feb 2021 15:11:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Unkategorisiert]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://thinking-circular.com/?p=3686</guid>

					<description><![CDATA[<p>Über resiliente Erdlinge, Stewarts aller Dinge, die lieben, lernen und das gute Leben suchen Die Circular Economy bietet bereits einige Antworten auf die Frage, wie in der Zukunft Wirtschaft funktionieren kann. Sie ist aber an vielen Stellen auch noch nicht komplett durchdacht. So fehlt es noch an der Definition eines Menschenbildes, das ihr zugrunde liegt. Wie müsste der Mensch sein oder handeln, wenn die Theorie der Circular Economy real wird? Wir wagen deshalb den Versuch der Formulierung, die wir dann logisch auch als Homo Circularis bezeichnen. Aber bevor...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Über resiliente Erdlinge, Stewarts aller Dinge, die lieben, lernen und das gute Leben suchen</h3>
<p>Die Circular Economy bietet bereits einige Antworten auf die Frage, wie in der Zukunft Wirtschaft funktionieren kann. Sie ist aber an vielen Stellen auch noch nicht komplett durchdacht. So fehlt es noch an der Definition eines Menschenbildes, das ihr zugrunde liegt. Wie müsste der Mensch sein oder handeln, wenn die Theorie der Circular Economy real wird? Wir wagen deshalb den Versuch der Formulierung, die wir dann logisch auch als <em>Homo Circularis</em> bezeichnen.</p>
<p>Aber bevor wir dieses Bild beschreiben, werfen wir noch einen Blick auf Menschenbilder, welche Grundlagen für andere Wirtschaftstheorien oder Gesellschaftsmodelle bildeten. Sie ermöglichen eine Abgrenzung. Sie lassen zu, dass wir das Menschenbild in einen historischen Kontext stellen und damit auch in die sich verändernden Paradigmen einordnen. Dieser Blogbeitrag bildet damit einen Einstieg ins Thema und ist eine Einladung, mit uns zusammen daran weiter zu arbeiten.</p>
<p>Ausgang bildete für uns Yuval Noah Harari. Er beschreibt in seinem 2015 erschienenen Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ die Entwicklung vom <em>Homo Sapiens</em> hin zum <em>Homo Deus</em>.</p>
<p>Harari erklärt darin, wie die menschliche Spezies die Erde erobern konnte und das Zeitalter des Antropozäns entstehen konnte. Der darin beschriebene <em>Homo Deus</em> besitzt quasi gottgleiche Fähigkeiten, mit denen er nicht nur schöpferisch, sondern auch zerstörerisch umgeht. Und Harari fragt zu Recht nach, wo vor lauter Schöpfungskraft des <em>Homo Deus</em> die Religionen und der Humanismus geblieben sind? Sind wir Menschen überhaupt noch fähig an etwas Gutes zu glauben, um auch gut zu handeln? Die Frage ist so grundlegend wie provokant, so generell und alt wie herausfordernd. Und die Beschreibung des <em>Homo Deus</em> bietet eine Grundlage zur Abgrenzung unseres Handelns und gelebten Menschenbildes zu einem neuen Narrativ.</p>
<div id="attachment_3687" style="width: 778px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3687" class="wp-image-3687 size-full" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Spirale-Menschenbilder.jpg" alt="" width="768" height="434" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Spirale-Menschenbilder.jpg 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Spirale-Menschenbilder-300x170.jpg 300w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Spirale-Menschenbilder-700x396.jpg 700w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /><p id="caption-attachment-3687" class="wp-caption-text">©Thinking Circular</p></div>
<p>Die Reihe von Menschenbildern, die bereits formuliert wurden, hilft uns bei der Entwicklung der Beschreibung eines neuen Menschenbildes. Der <em>Homo Politicus</em> wurde von Aristoteles beschrieben. Forscher wie Wolfgang Kullmann übersetzen dieses Menschenbild aus dem alten Griechenland als ein soziales, auf Gemeinschaft angelegtes Wesen. Das besondere sei, dass der Mensch selbst Gemeinschaften bilden kann. Andere Forscher und Interpreten von Aristoteles Werk wiederum legen Wert auf die Betonung der menschlichen Fähigkeit, politisch denken zu können. Vor dem Hintergrund der im damaligen Griechenland vorherrschenden zwei Gesellschaftsschichten, bestand die Herausforderung der Überbrückung der Unterschiede von Rechten, Chancen, Lebensmöglichkeiten und Konflikten. Die Gerechtigkeitsfrage war politisch gestellt. Das Ausgestalten gerechter Strukturen wurde zum Gegenstand der Gestaltung des Menschen und ist seither politischer Natur.</p>
<p>Das von Adam Smith entwickelte und durch Nutzentheoretiker weiter ausformulierte Bild des <em>Homo Oeconomicus</em> geht davon aus, dass der Mensch auf seinen Nutzen konzentriert handelt und entscheidet. Menschen gehen rational vor, dies ist auch ein Ergebnis der Aufklärung gewesen. Moral bildet dabei einen Kontext und Rahmen, in dem die Handlung vorgenommen wird. Dieses Menschenbild wird von Seiten alternativer Ökonomen kritisiert, da es gemeinwohlorientierte Wirtschaftsentscheidungen ausschließt, obgleich nachgewiesen ist, dass Menschen durchaus jeher im Sinne des Gemeinwohles entschieden haben. Dies hat ja schon Aristoteles feststellt, denn politisches Handeln ist an der Gesellschaft, also am allgemeinen Wohl orientiert.</p>
<p>Die Industrieökologie brachte den <em>Homo Oecologicus</em> hervor, der das Menschenbild eines perfekt ökologisch handelnden Menschen kreierte, aber wirtschaftliche Motivation und Gerechtigkeit nicht implizierte. Vor diesem Hintergrund entstand der <em>Homo Sustinens</em>. In diesem Menschenbild ist moralische Verantwortung ebenso bedeutsam, wie soziales Lernen, Altruismus, Kooperation und Kommunikation. Ökologie, Soziales und Gerechtigkeit stehen im Zusammenhang, bilden das Nachhaltigkeitsdreieck ab und verknüpfen sich so zu diesem Menschenbild.</p>
<p>Wir wollen auf dem Weg zum <em>Homo Circularis</em> berücksichtigen, wie sich Paradigmen aktuell verändern. Paradigmen beschreiben Glaubensgrundsätze verschiedener Beziehungen in Systemen wie die Beziehungen von Mensch zur Natur, von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Technik und Identitätsfragen.</p>
<p><u>Naturvergessenheit</u></p>
<p>Im Antrophozän, also jetzt, in dem uns der Zusammenhang des menschlichen Handelns auf den Klimawandel bewusst wird, wird deutlich, dass wir die Natur nicht nur als Ressource sehen können, die ausgebeutet werden kann, wie dies für den <em>Homo Deus</em>beschrieben ist. Die Wissenschaft kann uns zurück führen zur Natur und einem neuen Verständnis. Wir lernen aktuell, dass Tiere alle Eigenschaften besitzen, die in den alten Menschenbildern nur dem Menschen zugeordnet wurden. Tiere handeln auch sozial, sie haben Gefühle, drücken diese aus und sind rational &#8211; sie gehen auch strategisch vor und sie kommunizieren. Ferner erkennen wir, dass jedes noch so kleine Lebewesen eine Funktion im Erhalt der biologischen Kreisläufe hat, die unsere Lebensgrundlage bildet. Diese Erkenntnisse belegen, dass Mensch und Tiere <em>Mitgeschöpfe</em> auf dem planetarischen Raumschiff Erde sind. Dafür hat sich der Begriff <em>Erdling</em> oder auch <em>Earthling</em> bereits etabliert. <em>Homo Circulari</em>s begreifen sich als Mitgeschöpfe.</p>
<p><u>Technik und Digitalisierung</u></p>
<p>Auch unser Verhältnis zu Technik ändert sich, wird gleichzeitig intensiver und bringt neue Abhängigkeiten mit sich, wenn sich der Mensch immer mehr mit ihr sogar physisch verbindet. Das individualisierte Handy ist hier eine Metapher für das was wir noch sehen: Menschen tragen technische Ersatzteile in sich, wie Herzschrittmacher oder Gehör- oder Sehnerv Implantate. Menschen machen sich selber zu Mensch-Technik-Hybriden, implantieren sich Schlüssel oder Zahlungschips in ihre Gliedmaßen. Sicher ist hier Interpretationsspielraum, wie diese physische Verbindung gesehen wird. Ist Technik Selbstzweck oder doch ein Hilfsmittel, um uns das Leben zu erleichtern? Das Feld zur Beantwortung dieser Frage ist offen. Wir legen uns hier gerne darauf fest, dass <em>Homo Circularis</em> Technik als Hilfsmittel anerkennen und nutzen.</p>
<p><u>Identität</u></p>
<p>Unser tägliches Handeln gab und gibt uns eine Identität. Wir sind, was wir tun. Einstudierte Verhaltensweisen, Tradition aus Religionen, die an Raum und Zeit geknüpft waren, prägten uns über Jahrhunderte. Schnelle Veränderungen unserer Umwelt und Verhaltensanpassungen durch Leben an anderen Orten, in anderen Kulturen verändern dann auch unser Selbstbild. „Wer bin ich?“ diese Frage stellt sich für jeden Menschen in einer Veränderung. Jedes Mal, wenn wir uns weiterentwickeln auch gezwungen durch eine Veränderung unserer Umgebung, brauchen wir eine Neudefinition unseres Selbst. Dies kann jeder nur selbst für sich finden. Das können uns Psychologen bestätigen. Und es ist die „Ich-Erzählung“, das individualisierte, eigene Narrativ, das uns ausmacht. Wie wichtig Narrative sind, wird in Zeiten von Social Media für Psychologen leichter beobachtbar und therapeutisch nutzbar. Und wir können diese Erkenntnis für die Selbsterzählung eines <em>Homo Circularis</em> auch nutzen, der sich auch selbst individuell erzählt, aber doch eine soziale kollektive Deutung für sich im Sinne des Mitgeschöpfes sieht.</p>
<p>Es gibt weitere Paradigmen im Wandel, so auch Genderfragen, Familienbilder, Demokratieentwicklung. <em>Homo Circularis</em> begreifen sich nicht als vorherrschend, sondern in einer diversen Gesellschaft als Element sozialer Systeme, wie es Systemtheorie auch abbilden kann. Die Kommunikation unter den Elementen ist dabei elementares Bindeglied und drückt sich auch in der Theorie Hartmut Rosas zur Resonanzbedürftigkeit des Menschen aus.</p>
<p><img decoding="async" class="aligncenter wp-image-3689 size-full" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Tabelle-Paradigmen.jpg" alt="" width="845" height="497" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Tabelle-Paradigmen.jpg 845w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Tabelle-Paradigmen-300x176.jpg 300w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Tabelle-Paradigmen-768x452.jpg 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Tabelle-Paradigmen-700x412.jpg 700w" sizes="(max-width: 845px) 100vw, 845px" /></p>
<p>Wir halten fest, was uns auch bei verändernden Paradigmen aus der Erkenntnis früherer Menschenbilder weiterhilft:</p>
<ul>
<li>Menschen sind sozial und politisch &#8211; das lernen wir aus dem <em>Homo Politicus</em>.</li>
<li>Menschen sind rational und nutzten dies zum (ökonomischen) Überleben – das lernen wir aus dem <em>Homo Oeconomicus</em>.</li>
<li>Mensch wollen auch die Natur respektieren, das Lernen wir aus dem <em>Homo Oecologicus.</em></li>
<li>Menschen versuchen den Einklang aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Zielen zu leben und sich moralisch zu verhalten – das lernen wir aus dem <em>Homo Sustinens.</em></li>
</ul>
<p><strong>Aber was fehlt?</strong></p>
<p>Das Streben des Menschen nach Perfektion in dem jeweiligen Menschenbild wirft Fragen nach dem Guten Leben auf. Was passiert mit einer ständig im Hamsterrad steckenden Gesellschaft, die in Depression, Stress, Zynismus und Frustration landet und vor lauter Überlebensperfektion das Glücklich sein vergisst? Kann sich der <em>Homo Circularis</em> mit Blick auf die Ergebnisse des menschlichen Strebens an o. g. Menschenbildern orientieren? Wir meinen nicht ganz. Und die Frage nach dem „Guten Leben“ über das was wirklich wichtig ist, ist bereits gestellt.</p>
<p>Als reflektierende und systemdenkende Subjekte werden <em>Homo Circularis</em> sich die Frage nach dem, was wirklich wichtig ist, immer wieder selbst stellen. Insbesondere dann, wenn wir Menschen etwas verlieren. Der Klimawandel wird für Verluste sorgen: Menschen verlieren ihre Heimat, weil sie nicht mehr bewohnbar ist, sie verlieren Hab und Gut, sie verlieren auf der Flucht und Suche zum Überleben auch Menschen die sie lieben. Besitz bekommt dann eine neue Bedeutung. So macht sich der <em>Homo Circularis</em> immer mehr zum Stewart von allem, was ihm eine Lebensgrundlage bietet: von Dingen, von der Natur, von Menschen…. Er wird es nutzen, aber auf den Besitz wird es ihm nicht mehr ankommen. Besitz rechtfertigt nicht per se Überleben geschweige denn ein gutes Leben. Das wird eine neue Erfahrung sein.</p>
<p><em>Homo Circularis</em> müssen sich schnell an neue Umgebungen anpassen, deshalb bleibt ihnen nur schnelles lebenslanges Lernen. Und wenn sie ihren Kindern das Überleben sichern wollen, dann müssen sie ihr Wissen schnell weitergeben. Wenn wir schon bei Kindern sind. Was ist mit der Liebe und dem Gefühl? Die vorhergehenden Menschenbilder blenden das fast völlig aus und dennoch ist es Teil unserer emotionalen Intelligenz. Wir lernen vor allem aus emotionalen Erfahrungen. Der <em>Homo Circularis</em> ist emotional intelligent.</p>
<p>Wonach werden Homo Circularis suchen, wenn sie überleben? Sie suchen Entwicklungschancen. Diese ergeben sich aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Möglichkeiten, Hilfs- und Nutzungsangeboten. Auf Opportunitäten kommt es also an. Der Homo Circularis, wird nach ihnen suchen.</p>
<p>Wir werden sehen, dass <em>Homo Circularis</em> auf ihrer Suche nach dem guten Leben, als Stewart auftreten und doch das tun werden, was <em>Homo Sapiens</em> schon immer taten: Lieben, lernen, lehren und zum Überleben schnell handeln. Sich also als resilient zu erweisen.</p>
<p><strong>Cui bono?</strong></p>
<p>Wem nützt das Bild der <em>Homo Circularis</em>? In Abgrenzung zum <em>Homo Oeconomicus </em>nützt es sicherlich der eignen Beruhigung zukunftsbesorgter Denker und alternativer Ökonomen. Denn unsere aktuelle menschliche Programmierung zur Nutzenoptimierung, hat uns über das Ziel hinausgeschossen, sonst gäbe es das Anthropozähn nicht.</p>
<p>Wenn wir fragen „Wem nützt der Klimawandel?“, dann ist aktuell deutlich, uns Menschen nützt er nicht, er bedroht uns existenziell. Aber vielleicht könnte die Erkenntnis über den Klimawandel uns doch etwas nützen?</p>
<p>Dazu gehört anzuerkennen, dass das darwinsche Paradigma eine Ursache der Klimabedrohung ist. Denn die Idee <em>DES STÄRKEREN </em>immer gewinnenden <em>Homo Deu</em>s bot eine Legitimation für Geiz, Gier und Narzissmus, bei der Ausbeutung unseres Planeten. Es gibt <em>DEN STÄRKEREN</em> so nicht. Es gibt jedoch Systeme, die planetarisches Ausmaß haben. Weder kennen wir Menschen die Regeln des Planeten, noch können wir sie beherrschen, noch sollten wir uns anmaßen, das zu versuchen, was der Homo Deus versucht. Der Mensch ist nur ein Element in diesen Systemen.</p>
<p>Es ist also Zeit vom Paradigma Darwins endlich Abschied zu nehmen. Im Klimawandel werden diejenigen überleben, die darin gut sind zu kooperieren, schnell zu lernen und sich als emotional und sozial resilient zu erweisen. Vielleicht werden es die <em>Homo Circularis</em> sein, die sich an das Neue anpassen und überleben.</p>
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			</item>
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		<title>#Homo Circularis</title>
		<link>https://thinking-circular.com/de/homo-circularis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eveline Lemke]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Feb 2021 15:37:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[#Homo Circularis]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Economy]]></category>
		<category><![CDATA[Circular Society]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von Zirkularität und Realität. Und was das alles mit Bananenbrot zu tun hat. Eveline Lemke, Charléne Nessel Welche Aussage beschreibt die Zukunft der Circular Economy am ehesten? Die Realität wird zirkulär? Oder wird Zirkularität real? Besteht da ein Unterschied? Und stimmt das überhaupt? Sind wir nicht noch Meilen entfernt von einer Circular Economy? Die Circular Economy und der Green Deal sind das von Ursula von der Leyen gewählte große Thema der EU. Es stößt bisher auch kaum auf Kritik, denn es verspricht grüne Wachstumsmöglichkeiten und erreicht neue Zielgruppen. Zudem liefert es Antworten, wie...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div>
<h3>Von Zirkularität und Realität. Und was das alles mit Bananenbrot zu tun hat.</h3>
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<h4>Eveline Lemke, Charléne Nessel</h4>
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<p>Welche Aussage beschreibt die Zukunft der <em>Circular Economy</em> am ehesten? Die Realität wird zirkulär? Oder wird Zirkularität real? Besteht da ein Unterschied? Und stimmt das überhaupt? Sind wir nicht noch Meilen entfernt von einer <em>Circular Economy</em>?</p>
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<p>Die <em>Circular Economy</em> und der Green Deal sind das von Ursula von der Leyen gewählte große Thema der EU. Es stößt bisher auch kaum auf Kritik, denn es verspricht grüne Wachstumsmöglichkeiten und erreicht neue Zielgruppen. Zudem liefert es Antworten, wie wir vielleicht doch auf diesem Planeten überleben können. Die Nachhaltigkeitsbewegung hat jedoch in den letzten 35 Jahren erfahren, dass die Entkopplung des Wachstums vom Ressourcenverbrauch eine schwierige Sache ist. Zudem ist die Gefahr, im Green Deal vor lauter Green Buzzwords und Green Washing verloren zu gehen, sehr groß. Kann die <em>Circular Economy </em>Antworten liefern, die Orientierung im grünen Dschungel bieten?</p>
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<p><strong>Warum wir die </strong><em><b>Circular Economy</b></em><strong> neu beschreiben müssen: Verwirrung in der Neo-Ökologie </strong></p>
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<p>Aktuell liegt eine Darstellung des Zukunftsinstituts auf dem Tisch, welche sogenannte Buzz-Words und Trends auf einer Karte darstellt, die wie eine Karte der Berliner U-Bahn aussieht. <em>Bio Boom, Sharing Economy, Lebensqualität, Achtsamkeit, Green Tech, Social Business, Post-Wachstumsökonomie, Sinn-Ökonomie, Post-Carbon Gesellschaft, Circular Economy, Zero-Waste</em> uva. Die Zukunftsforscher haben diese Megatrends der <em>Neo-Ökologie</em> als Haltestellen auf die Karte gebracht. Jede Umstiegsoption ist eine Schnittstelle zwischen zwei Trendbegriffen. Wer in die U-Bahn-Linie Neo-Ökologie einsteigt, fährt an Buzz-Word-Stationen vorbei.</p>
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<div id="attachment_3652" style="width: 782px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-3652" class="wp-image-3652 size-full" src="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut..jpg" alt="" width="772" height="481" srcset="https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut..jpg 772w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut.-300x187.jpg 300w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut.-768x479.jpg 768w, https://thinking-circular.com/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt_Megatrend-Map._Quelle_Zukunftsinstitut.-700x436.jpg 700w" sizes="(max-width: 772px) 100vw, 772px" /><p id="caption-attachment-3652" class="wp-caption-text">Quelle: „Megatrend Map / Megatrend Dokumentation 2018 / Zukunftsinstitut GmbH“</p></div>
<p>Es entsteht der Eindruck, dass die Neo-Ökologie eine Einbahnlinie sei. Wer umsteigt, verlässt die Nachhaltigkeit. Aber Nachhaltigkeit umfasst 17 Ziele und damit mehr als nur einen Zukunftstrend. In der Karte mehrere grüne Ideen und andere wichtige systemische Trends gleichzeitig zu erreichen, ist aber unmöglich. Wozu dient eine Karte? Karten sollen Orientierung geben. Sie sollen uns Menschen helfen, ans Ziel zu kommen. Aber die Karte verwirrt. Zugleich spiegelt die Karte des Zukunftsinstituts die öffentliche Wahrnehmung. Ist die Karte nur die verzerrte Wahrnehmung der Öffentlichkeit oder drückt genau diese <em>Verwirrung </em>die Notwendigkeit aus, Klarheit in die Diskussion um Zukunftsbegriffe und die Einbettung von nachhaltigen Begriffen zu erlangen?</p>
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<p>Deshalb ist gerade jetzt die Zeit, ein paar Klarstellungen zur Philosophie der Circular Economy vorzunehmen und es ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, einige Voraussetzungen für eine <em>Circular Society</em> zu beschreiben, die als Begriff noch gänzlich auf der Karte fehlt. Es macht Sinn, sich erst wesentliche Unterschiede der Circular Economy zu klassischen Wirtschaftsphilosophien in Erinnerung zu rufen und dann auf politische Maßnahmen und Ziele der EU einzugehen.</p>
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<p>Die bisherigen Wirtschaftsphilosophien waren allesamt nicht nur naturvergessen, sie haben auch den Menschen in seinem Wesen auf wenige Motivationstreiber reduziert. Es wurde angenommen, der Mensch sei ein <em>Homo oeconomicus</em>. Nach Darwin würde er nur als Stärkerer überleben. Mit <em>Geiz und Gier</em> seine ureigenen Überlebensinteressen durchzusetzen – was durchaus auch menschlich ist -, rechtfertigte in den klassischen ökonomischen Wissenschaften die Verfeinerung der Instrumente zur Ausbeutung des Planeten und auch der eigenen Spezies. Jede Managementtechnik kann zum Guten und zum Bösen angewendet werden. Ziel und Kontext sowie die gefassten Entscheidungen bestimmen, ob das Ergebnis ein Gutes oder ein Schlechtes ist. Das setzt aber voraus, dass jeder Technik auch eine Ethik mitgegeben wird. Es setzt auch voraus, dass wir lernen in Systemen zu denken und uns trauen systemische Szenarien als Entscheidungsgrundlagen heranzuziehen. Die <em>Circular Economy </em>eröffnet die Möglichkeit<em>, </em>hier eine Brücke zu bauen.</p>
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<p>Der Spiegel des <em>Unmenschlichen</em> kann uns Erkenntnis darüber bringen, wie wir uns aus innerem Antrieb verhalten wollen. Wenn unser innerer Antrieb nicht durch ethische, emotionale, empathische Grundsätze gespeist wird, sondern aus dem Anspruch höher, schneller, weiter zu kommen, zeichnen sich die Konsequenzen ab: Der Klimawandel als Spiegel unserer Naturvergessenheit; steigende Ansprüche, mangelndes Selbstbewusstsein und vermehrte Depressionen als Spiegel unseres sozialen Dilemmas durch Social Media und Co.; industrielle Schlachtanlagen als Spiegel unserer Entfremdung von Empathie und Gefühlen zwischen Mensch und Tier. Die Aufzählung könnte hier weiter gehen und lang werden.</p>
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<p>Damit wir im Einklang mit der Natur auf diesem Planeten existieren können, müssen wir unsere Technik mit Ethik kombinieren. Nur so entsteht eine neue gesellschaftliche Utopie, die uns einen anderen Spiegel vorhält: Wirtschaften ohne die Grenzen des Wachstums zu sprengen. Social Media Influencer, die ihre Reichweite nicht nutzen, um ihr tolles Leben zur Schau zu stellen und zu zeigen, was höher, schneller, weiter heute bedeutet, sondern um <em>Positive Impact</em> für den Planeten und uns Menschen zu erzeugen. Eine Ernährung, die nicht Leid und Krankheit unterstützt, sondern andere Lebewesen und diesen Planeten mit Respekt behandelt. Zum Beispiel, indem wir Blaubeerkuchen statt Bananenbrot backen. Das ist genauso lecker, regional und verbraucht weniger Ressourcen.</p>
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<p>Alle Debatten zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise drehen sich im Kern darum, der wirtschaftlichen Technik eine Moral zu verleihen, also Abstand zu nehmen von Ausbeutung, Naturvergessenheit und Unmenschlichkeit. Die Philosophie der <em>Circular Economy</em> unterscheidet sich deshalb von bisherigen Wirtschaftsphilosophien, da sie der Natur eine eigene Rolle zuschreibt, die einen eigenen Wert besitzt. Sie geht von der Annahme eines emotionalen Menschen aus, der sich auch rational, intelligent und lernend verhält. Sie geht nicht nur davon aus, dass wir als Homo Sapiens durch unseren IQ geprägt sind, sondern auch durch unseren EQ, also unsere emotionale Intelligenz. Der <em>Homo Circularis</em> wird damit zu einem Element im natürlichen System und ist nur eine von vielen Spezies dieser Zeit.</p>
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<p>In einer <em>Circular Society</em> werden die Menschen befähigt, sich in Systeme einer Welt gegenseitiger Abhängigkeiten, Beziehungsgeflechte, natürlicher Regeln und Besonderheiten einzuordnen. Die Menschen in dieser zirkulären Utopie stellen sich nicht auf eine hierarchisch höhere Stufe, als alle anderen Spezies dieser Welt. Sie spielen nicht ständig <em>Blame Game</em>. Sie haben Respekt und übernehmen Verantwortung für Fehler. Sie sind darauf trainiert, resiliente Überlebensmechanismen zu erwerben. Und sie wissen, sie sind Gleiche unter Gleichen. Sie fühlen sich als Teil eines Ganzen. So praktizieren sie respektvollen Umgang mit dem Leben auf diesem Planeten.</p>
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<p>Viele Menschen der grünen Bewegung würden jetzt vielleicht schon zustimmen und für sich in Anspruch nehmen, ein <em>Homo Circularis</em> zu sein. Schließlich trennen sie Müll, tragen zur Energiewende bei, sparen Strom, ändern ihr Mobilitätsverhalten und steigen vom Diesel auf ein e-Auto um oder treten sogar zum Veganismus über. Das sind alles gute Schritte für den Eintritt in eine <em>Circular Society</em>. Denn damit erweitern wir unser Verständnis für die Kreislaufwirtschaft. Was noch fehlt, ist ein emotionales Grundverständnis. Wir müssen begreifen, dass eine <em>Circular Society </em>nur existieren kann, wenn wir verstehen, dass wir eben nicht rein rational ticken, so wie wir als <em>Homo oeconomicus</em> beschrieben werden, sondern dass wir Menschen sind, die nicht nur Fleisch und Blut, sondern auch Bauchgefühl, Unterbewusstsein und Energie sind.  Keine lineare Einbahnstraße, sondern vielmehr ein Netzwerk, in dem Natur und die Lebewesen auf diesem Planeten miteinander verbunden sind. Unsere Aufgabe ist es, die <em>Circular Economy</em> nicht weiter von hinten aufzuzäumen, indem wir erst die Technik, dann die Gesellschaft und dann den Einzelnen betrachten. Sondern mit dem zu beginnen, was uns selbst betrifft, also auch mit und bei uns selbst. Wie sollen wir sonst ein System verändern, in dem wir uns selbst gefangen halten? Das hat schon Gandhi erkannt: „Verändere dich und du veränderst die Welt.“ Aber eben nicht, indem wir zuhause (zwar auch, aber nicht nur) den Müll richtig trennen, sondern indem wir uns auf die Suche nach unserer Naturverbundenheit machen. Jeder <em>Homo Circularis</em>, der Antworten darauf findet, bildet den Grundstein für eine funktionierende Circular Society, in der eine Circular Economy funktionieren kann.</p>
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<p><strong>Wie die neue Beschreibung gelingen kann: Herausforderungen für die </strong><em><b>Circular Economy</b></em></p>
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<p>Am Anfang der neuen Beschreibung einer Circular Economy steht der Homo Circularis, der sich beim Aufbau der neuen Utopie einige Mindset-Fragen stellen muss: Wie gelingt der sozial-ökologische Umbau? Was bedeutet Circular Economy? Wie soll die Zukunft eines guten Lebens aussehen? Auf der Suche nach Antworten muss er sich radikalen Glaubenssätzen stellen. Auf der einen Seite stehen die Kritiker der ökologischen Modernisierung. Sie glauben nicht an den Klimawandel und haben Angst vor Veränderungen. Eine ökologische Transformation sei weder notwendig, noch möglich, sagen sie. &#8222;<em>Wir können doch nicht zurück unter den Stein kriechen</em>.&#8220; Auf der anderen Seite stehen die Technologie-Kritiker. Eine <em>Circular Economy</em> sei nicht genug, denn wir wären ja immer noch abhängig von Technik, die uns immer wieder in Rebound-Fallen lockt: &#8222;<em>Grüne Technologien können nicht funktionieren, wir technologisieren uns nur noch tiefer in die Misere</em>.&#8220; Beide Stimmen sind berechtigt.</p>
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<p>Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, zwischen <em>Unter den Stein kriechen</em> und <em>Grünen Technologien, die die Natur weiter ausbeuten</em>. Fortschritt bedeutet, aus Fehlern zu lernen. Die <em>Circular Economy</em> ist eine Weiterentwicklung ökonomischer Philosophie, die eine Brücke bauen soll, zwischen einer hoch technokratischen Welt voller Abhängigkeiten und Empathiemangel hin zu den Gesetzen der Natur.</p>
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<p>Die noch zu lösenden Aufgaben am Beispiel der Energiewende zeigen das Dilemma der Rebound-Effekte: Auch wenn Verbrauchsstoffe erneuerbar hergestellt werden und zur Minderung des Treibhauseffektes beitragen, sind die Energieerzeugungsanlagen noch lange nicht naturverträglich. Auch sie müssen technisch kreislauffähig werden. Das heißt Windkraftanlagen und Solaranlagen müssen recyclingfähig sein. Nur so können sie dauerhaft in der wirtschaftlichen Nutzung belassen werden. Denn gerade die seltenen Metalle, die mit großen Anteilen in Windkraftanlagen, PV-Modulen oder E-Autos stecken, werden bald so nachgefragt sein, wie Öl es einmal war. Wir müssen sie auch aus Produkten zurückholen können. Wir müssen nutzen statt zu verbrauchen.</p>
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<p>Im Spiegel der menschlichen Grausamkeit unseres Wirtschaftens sehen wir, wie jährlich fast 100 Milliarden Tonnen Rohstoffe aus diesem Planeten gegraben werden. Nicht einmal 9 % davon bleiben im wirtschaftlichen Kreislauf. Die unvorstellbare Dimension von über 90 Milliarden Tonnen Rohstoffen pro Jahr verschwinden in unbekannten Nutzungen, als Abfall in der Landschaft oder als verbrannte Emissionen in der Luft. Kupfer- oder Titanminen in Chile oder China machen uns extrem deutlich, wie die Grünen Technologien den Tribut an der Natur fordern. Hier liegen Aufgaben vor uns, sonst werden wir die Vision einer Welt ohne Abfall im Green Deal nicht erreichen. Dann machen wir weiter, was Generationen vor uns bereits nicht lösen konnten – nur ein wenig anders, indem wir die Naturzerstörung auf gute moralische Grundsätze bauen.</p>
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<p>Die Europäische Kommission ist bei der Definition der Circular Economy sehr konkret geworden, das hat überrascht. Ihre Definition stammt aus dem Jahr 2017. Sie schreibt uns das Lösen der o.g. Aufgabe damit ins Pflichtenheft. Und sie entspricht dem Denkmodell der Philosophie fast gänzlich.</p>
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<p>Danach soll in einer Ökonomie der Wert von Produkten und Materialien so lange wie möglich erhalten bleiben. Abfall und Ressourceneinsatz müssen minimiert werden. Der Stoffkreislauf soll innerhalb des ökonomischen Systems geschlossen werden, so dass Produkte, welche das Ende ihrer Nutzungsphase erreicht haben, wieder als Ressource dienen, um auch in der Zukunft Werte zu schaffen. Was in der Definition zwar fehlt, aber die EU eingeleitet hat, ist, dass es zukünftig keine gefährlichen Substanzen mehr geben darf, die im Umlauf sind. Alle giftigen Stoffe sollen aus dem Wirtschaftskreislauf ausgeschleust und vernichtet werden. Die Vision einer Welt ohne Abfall ist damit zwar nicht deutlich formuliert, aber ausgeschlossen ist sie nicht. Vor allem gehen die Schritte in die richtige Richtung. Ein Schritt wäre das Ende der Müllverbrennung, sobald alle gefährlichen Substanzen ausgeschleust wurden. Damit schließt sich die Frage an, ob der strategische Ausstieg aus der Müllverbrennung nicht schon heute verhandelt werden muss?</p>
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<p>Die EU hat noch viel zu tun, um das Ziel zu erreichen. Und die Entscheider wissen das auch, denn Europa hat einige Erfahrung und auch schon viel Zeit für die Entwicklung der Circular Economy aufgewendet. Bereits 1975 hat die EU die erste Richtlinie zum Abfallmanagement herausgegeben und 1996 weitreichende Kreislauf-Richtlinien. In 2005 ist dann die Schließung der Deponien in Europa verkündet worden. Seit 2017 gibt es eine EU-Plastik-Strategie und 2019 trat das EU-Circular Economy Package in Kraft.  Das ist Grund zur Freude für die Community der C2C-Innovatoren. Sie können Hoffnung schöpfen, dass endlich auch die Öko-Design Richtlinien angepasst werden und vor allem in den Mitgliedsstaaten greifen. Das C2C nach dem Designprinzip von Prof. Dr. Michael Braungart gibt vor, wie optimale Produkte für eine Circular Economy kreiert werden sollen, damit eine saubere und endlose Nutzbarkeit gewährleistet ist. Wer sich mit C2C auseinandersetzt, findet schnell das einfache Prinzip eines biologischen und eines technischen Kreislaufes heraus, wonach Verbrauchsmaterialien dem biologischen und Nutzungsgüter dem technischen Kreislauf zugeordnet werden dürfen. Beispiel ist hier wieder die Energiewende. Wenn erneuerbare Energie aus Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse hergestellt wird und als Verbrauchsgut zum Einsatz kommt, so sollten die technischen Anlagen zur Erzeugung nicht toxisch sein, aber langlebig, zerlegbar, reparierbar und recycelbar. Deshalb finden in der C2C Welt vor allem Monomaterialien Verwendung, die nicht geklebt, sondern nur geschraubt werden, damit vom Design her alles reparierbar bleibt. Schließlich bietet das RESOLVE-Prinzip eine gute theoretische Grundlage, die wie ein ökonomisches Werkzeug funktioniert. <span lang="EN-US">RESOLVE steht für (<strong>RE</strong>new, <strong>RE</strong>use, <strong>RE</strong>pair, <strong>RE</strong>furbish, <strong>RE</strong>cycle, <strong>S</strong>hare, <strong>O</strong>ptimize, Close the <strong>L</strong>oop, <strong>V</strong>irtualize, <strong>E</strong>xchange).</span></p>
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<p>Eine Hauptaufgabe der Circular Economy ist die Überwindung des Rebound-Effektes. Hierbei ist Öko-Effektivität das Schlagwort. Der Rebound-Effekt entsteht unbeabsichtigt. Als im Zuge der ersten industriellen Entwicklungsphase die Kohle das Fällen von Bäumen zur Energiegewinnung ablöste und man sich erhoffte, dass sich die Wälder Europas erholen würden, drohten in London die Menschen bereits durch die Emissionen der Kohle zu ersticken. Also löste das Erdöl die Kohle ab, später die Atomenergie. Was aber folgte, war die immer schnellere Entwicklung und das Verschlingen von mehr und mehr Ressourcen. Von der Entkopplung von Ressourcen ist nicht viel zu spüren. Und genau das gefährdet unsere eigene Existenz. Jetzt ist es Zeit, dass der <em>Homo Circularis</em> seinen IQ, seinen EQ und seine Lernfähigkeit unter Beweis stellt!</p>
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<p><strong>Was wir tun müssen, um die </strong><em><b>Circular Economy </b></em><strong>real werden zu lassen: Recyclingquoten oder EU-Plastik-Steuer – was wirkt besser? Eine Debatte, die sich im Kreis dreht, wenn Politik nicht entscheidet.</strong></p>
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<p>Anfang November konnten sich die Organe der EU auf den nächsten langfristigen Haushalt 2021-2027 einigen – ein Bestandteil ist eine Plastiksteuer, die zum 1. Januar 2021 greifen sollte. Da schien es noch, als würde die chinesische Green Fence Politik Europa in Bewegung setzen. Aber der Schein trügt: Die deutsche Debatte zieht ihre Kreise langsam und die Bundesregierung ignoriert das Thema Circular Economy. Einzig der Umgang mit Plastiktüten wurde gerade im Bundestag beraten und entschieden – es sollen weniger davon im Umlauf sein. Aber das reicht nicht aus!</p>
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<p>Wer jetzt auch noch daran denkt, dass Konsument*innen die Steuer wahrnehmen würden, und sie deshalb eine Lenkungswirkung entfalten könnte, der irrt. Denn im Rahmen des am 10. November 2020 beschlossenen Multiannual Financial Frameworks der EU (kurz: MFF) werden Beiträge der EU-Mitgliedstaaten auf Basis der Menge nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle berechnet. Das macht klar, dass es sich nicht um eine Steuer handeln kann, sondern dass sie eine Berechnungsmethode ist, die den EU-Haushalt und deren nationale Beiträge dazu regelt. Nennen wir sie also Abgabe. Sie wird ca. 800 € pro Tonne nicht recycelter Kunststoffverpackungen kosten und soll die Sammel- und Recyclingmaßnahmen erhöhen. Die aktuelle Debatte der Industrie darüber, ob Produktpolitik hier besser greifen würde, als materialspezifische Quoten, scheint in eine Scheindebatte zu mutieren.</p>
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<p>Es ist offensichtlich, dass die Bundesregierung nicht entschieden genug voran geht. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise könnte sie die gebeutelte Recyclingindustrie durch Zuschüsse für Investitionen in Sortieranlagen oder die Hersteller für die Einführung von Produktpässen zur Nachverfolgung von Produkten und Material unterstützen. Hier können Potentiale direkt gehoben werden. Wir werden uns des gesamten Instrumentarienkastens der Regulatorik bedienen müssen, um weiter zu kommen. Dazu zählt nicht nur eine ambitionierte Erhöhung von Sammel- und Recyclingquoten, auch Produktverbote von Einwegproduktverpackungen (die immerhin 40 % an Kunststoffabfällen ausmachen) und eine Ökodesignrichtlinie, die hält, was der Name verspricht, müssen kommen.</p>
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<p>Bis 2050 eine Industrie zu entwickeln, die im Kreislauf funktioniert ist keine Utopie. Das ist eine realistische Vision. Aber es braucht viele, die das verstanden haben und daran mitwirken.</p>
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<p>Circular Economy bis 2050 &#8211; Was bedeutet das noch? Jüngste Studien zum Verbrauch von Ressourcen auf unserem Planeten zeigen, dass bis zu 100 Mrd. Tonnen Material, Flüssigkeiten oder Stoffe von diesem Planeten entnommen werden, um unsere industriellen Bedürfnisse zu befriedigen. Natürlich sind Trink- und Industriewasser sowie Biomasse die Materialien, die wir heute als am ehesten zirkuläre bezeichnen können. Erst ab Platz drei folgen dann verschiedene Metalle, Papier oder etwa Asphalt. Insgesamt fließen nicht einmal 9 % aller Produkte in einem Kreislauf. Und die Wissenschaft hat nur unzureichend Informationen darüber, wo jährlich 90 Mrd. Tonnen Stoffe und Materialien verblieben sind, die wir vorher aus dem Planeten entnommen haben. Wie kann das sein?</p>
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<p>Anlässlich des 5. Europäischen Ressourcenforums 2020 wurde deshalb der Ruf nach einem „Intergovernmental Panel for Resources“ immer lauter. Ähnlich der Forschungsarbeit für das Klima durch das IPCC (Intergovernmental Panel for Climate Change) könnte dann die Wissensarbeit auf diesem Planeten dazu beitragen, die Circular Economy zu entwickeln. Hoffnung macht, dass jüngst die Anzahl der beobachteten Forschungsarbeiten gestiegen ist. Wenn noch vor wenigen Jahren nur ca. 300 Veröffentlichungen zu Kreislaufthemen erschienen, so waren es im letzten Jahr rund 3000. Immerhin ein Anfang. Aber das wird nicht reichen, um das Thema adäquat zu beschreiben oder gar zu lösen.</p>
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<p>Die ökonomische Dimension der Lenkungsmechanismen birgt Kommunikationsbedarf. Prof. Stahl lehrt als Baustein der Circular Economy die „Perfomance Economy“. Er beschreibt, wie eine Ökonomie, die wieder mehr repariert, umbaut und ausbaut als in einer Wegwerf-Gesellschaft, auch höhere Löhne und Gehälter für eben diese Dienstleistungen, also die Performance, gezahlt werden müssen. Die Senkung oder sogar Abschaffung von Steuern auf Arbeit macht als Lenkungsinstrumentarium vor diesem Hintergrund plötzlich richtig viel Sinn. Die zirkulären Business-Cases um Sharingmodelle, benutzen statt besitzen und „product as a service“ passen hier gut hinein. Die Besteuerung von C02 oder treibhausschädlichen Gasen ergänzt das Lenkungsinstrument. So wird die <em>Circular Economy </em>konkret. Und wie sollte eine Zukunft ohne <em>Circular Economy </em>überhaupt aussehen?</p>
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<p>Am Ende ist die Realität, dass es ohne Zirkularität nicht geht. Und dass eine Zirkularität nicht existieren kann, ohne sich in die Realität einzubetten. Ein <em>Business-As-Usual</em> wird nicht funktionieren, genauso wenig wie die Vorstellung, wir könnten uns gänzlich von bisherigen Annehmlichkeiten verabschieden. Wir brauchen eine Brücke. Die <em>Circular Economy </em>kann diese Brücke bilden. Aber eine ökonomische Theorie der Zirkularität wird erst Realität, wenn wir als Mensch ins Handeln kommen. Wie handelt ein <em>Homo Circularis? </em>Er repariert, statt wegzuwerfen. Er baut Gemüse an, statt zu importieren. Er spricht über Themen der Selbstverwaltung. Hier ist Raum für Diskussion, wie wir uns als <em>Homo Circularis </em>in eine <em>Circular Society </em>einbringen. Um gemeinsam die Brücke in eine enkeltaugliche Zukunft zu bauen.</p>
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<p>So, was hat das alles jetzt nochmal mit Bananenbrot zu tun? Eigentlich nichts. Aber irgendwie auch alles. Es geht um die kleinen Dinge im Leben und die Frage, wie gutes Leben aussehen kann. Und wie schön wäre eine <em>Circular Society</em>, in der wir gelernt haben, mehr auf unser „Bauch“-Gefühl zu hören und <em>Circular Impact </em>direkt selbst zu kreieren? Und Bananenbrot klang halt einfach saftiger als „eine philosophische Abhandlung über die Grenzen der Circular Economy“.</p>
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