
03.2026 Konferenz 2026: 5 Jahre nach der Flut
Das sagt die Wissenschaft zum 5. Jahrestag der Flut im Ahrtal
Vom 2. -4. Juli 2026 tagte die wissenschaftlichen Konferenz am Rhein-Ahr-Campus der Hochschule Koblenz am Standort Remagen. Es hatten sich 13 wissenschaftliche Organisationen und Institute für die interdisziplinären Konferenz zusammengefunden. 250 Forschende trafen sich oder nahmen online an der Veranstaltung teil, um neues Erkenntnisse zu hören und zu diskutieren und eine kritische Bestandsaufnahme zu machen. (Programm hier). Einen Tag wurden verschiedene Exkursionen angeboten, so dass Forschende Begegnungen mit Menschen in der Region und spezifische Perspektiven kennenlernen konnten. Angereist war auch ein Gruppe aus Valencia.
Ziel der Konferenz war es, herauszuarbeiten, welche Erkenntnisse durch die wissenschaftliche Analyse der Flut gewonnen werden, und welche Fragen aus wissenschaftlicher Sicht offengeblieben sind. Vor allem interessiert die Forschenden, wie eine Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels schnell gelingen kann und was dazu beiträgt. Deshalb ist der Kontakt mit allen Akteuren in der Region weiterhin extrem bedeutsam. Aktuell wird ein gemeinsames Ergebnispapier erarbeitet, ferner ist geplant, eine Konferenzveröffentlichung zu erstellen. Sobald diese fertig gestellt ist, wird auch sie hier mitgeteilt. Grundsätzlich betonten die Forschenden, dass die Region abgesehen von Einzelbeispielen noch unzureichend auf ein weiteres Hochwasserereignis vorbereitet ist.
10 Punkte waren den Forschenden besonders wichtig, schon heute zu betonen:
- Wir lernen aus der Geschichte. Bekannte historische Hochwasserereignisse finden noch keine Berücksichtigung in Szenarien oder Abschätzungen.
- Wir können und sollten auch mehr von anderen Regionen lernen. Die Region Valencia ist ein Beispiel, das aktuell aus verschiedenen Perspektiven betrachet wird.
- Die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten, vom Bürger bis zum Krisenstab, hilft das System zu verbessern.
- Langfristige Effekte von Katastrophen auf die betroffene Bevölkerung sind zu wenig untersucht und werden daher bei Hilfs- und Wiederaufbaumaßnahmen zu wenig berücksichtigt.
- Insbesondere die Untersuchungen zu vulnerablen Gruppen können verstärkt werden. Hierbei sollten multiple Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gegenständlich werden.
- Der Informationsfluss und die Kommunikation von Politik und staatlicher Verwaltung (z.T. auch Hilfsorganisationen) zu der von der Flut betroffenen Bevölkerung sind unzureichend und missverständlich. Es fehlt ein gegenseitiges Verständnis der unterschiedlichen Handlungslogiken, Erwartungen und Interessen der beteiligten Akteur*innen.
- Es fehlen Auswertungen darüber, wie viele der wissenschaftlichen Empfehlungen (z. B. aus Beratungsprozessen mit wiss. Begleitung) umgesetzt wurden.
- Neben einer interkommunalen Betrachtung des Hochwasserschutzes sollten die Themen zukünftig auch integral gedacht werden, um sich gegenüber den zukünftigen wasserwirtschaftlichen Herausforderungen bestmöglich aufzustellen – Stichworte wären u.a. Hochwasser & Starkregen sowie Hochwasser (Überschwemmungen) & Dürre.
- Die Menschen im Ahrtal sollten nicht entscheiden müssen, ob sie in ihrer Heimat verwurzelt bleiben ODER hochwassersicher leben wollen.
- Wenn keine naheliegenden Ausgleichsflächen erschlossen werden können, müssen neue Bau- und Wohnkonzepte in die Planung einbezogen werden (stärker in die Höhe bauen; gemeinschaftliche Wohnkonzepte fördern).